Grundsatzentscheidung Mauerwerk

von Christian
(Niederösterreich)

Ich plane ein EFH in Österreich zu bauen und kann mich einfach nicht entscheiden zwischen dem Bau mit einem HLZ 50cm (der Fa. Eder/AUT) oder einem HLZ 30cm + Wärmedämmung. Da es ja schon Gerüchte gibt, Styropor als Wärmedämmung in Deutschland zu verbieten, frage ich mich ob dies vernünftig ist. Auf der anderen Seite kostet sowohl ein anderes ökologisches Dämmmaterial wesentlich mehr als auch ein 50cm Ziegel. Und beim 50er Ziegel gibt es angeblich auch noch diverse Schwächen, wie Porösität beim Schneiden, Probleme wenn man Leitungen reinschneiden oder stemmen muss.


Jede Baufirma lässt wieder andere Argumente für die eine oder andere Variante sprechen. Wie soll man da zu einer Entscheidung kommen, hast du evtl. Hinweise/Entscheidungshilfen dazu?

Ausserdem stellt sich die Frage ob Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung: da gibt es noch eine Verunsicherung meinerseits, da ich schon des öfteren darauf hingewiesen wurde dass sich in einigen Jahren das Problem der Reinigung (wg. evtl. bakteriellen Problemen) der Rohre stellen wird. Gibts dazu Tipps/Ideen?

Antwort:

Hallo Christian,

ich würde mir an Ihrer Stelle die Entscheidung nicht zu schwer machen. Für das Haus selbst und die Wohnqualtiät wird es unerheblich sein, für welchen Ziegel Sie sich entscheiden. In jedem Fall muss der für Ihr Haus berechnete Wärmedämmwert der Außenwand erreicht werden. Den geforderten U-Wert erreichen Sie demnach mit beiden von Ihnen angeführten Ziegeln.

Da sich meine Webseite hauptsächlich mit den Baukosten und Preisen für ein durchschnittliches Einfamilienhaus beschäftigt, bin ich allerdings der Meinung, dass Sie sehr wohl bedenken sollten, was ein 50 cm starker Ziegel im Vergleich zu einem 30er-Ziegle bedeutet, wenn Sie von den m²-Kosten für Ihr Haus ausgehen.

Bei einem bespielsweise 10 x 10 Meter großen Haus mit EG und OG verlieren Sie bei Verwendung eines 50er-Ziegels nämlich insgesamt rund 16 m²; Wohnfläche. Bei m²-Kosten von rund 1.450,-- EUR sind das immerhin 23.200,-- EUR. Die Mehrkosten für eine größere verbaute Kellerfläche (oder Bodenplatte) sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Bei dieser Berechnung macht es natürlich einen Unterschied, ob Sie Ihr Haus von einem Bauunternehmen errichten lassen, oder ob Sie Ihr Haus selber bauen wollen. Trotzdem ist der Umstand, dass Sie mit einem stärkeren Außenwandziegel mehr Wohnfläche verlieren, keinesfalls zu vernachlässigen.

Damit der Vergleich für Sie besser "sichtbar" wird, stellen Sie sich einfach zwei von außen betrachtet völlig gleich große Häuser vor. Eines davon gemauert mit einem 30er-Ziegel, das andere mit 50cm starken Außenwänden. Und jetzt vergleichen Sie die jeweils verbleibende Wohnnutzfläche und multiplizieren diese mit Ihrem m²-Preis.

Die Differenz können Sie nun ganz einfach mit den eventuell anfallenden Kosten für eine ökologische Wärmedämmung (anstatt Styropor) in Relation setzen.

Hinsichtlich Ihrer Befürchtung, dass Styropor als Wärmedämmung vielleicht einmal verboten wird, kann ich übrigens nur sagen, dass Sie sich auch hier keine allzu großen Gedanken darüber machen sollten, was vielleicht irgendwann einmal passieren kann. In der EU schaut es ja derzeit ohnehin fast schon so aus, als würde irgendwann einmal alles verboten werden...

Tipp: Sie können sich "auch heute noch" bedenkenlos für einen Vollwärmeschutz aus Styropor entscheiden. Allerdings muss der Dämmstoff unbedingt diffusionsoffen sein. Bei luftdichten Häusern ist das ein Muss. Und weil Sie ja eine Wohnraumlüftung planen, kommen Sie an einer Blower-Door-Messung ohnehin nicht vorbei.

Wie auch immer. In welche Richtung sich die "Bau-Zukunft" entwickeln wird, ist derzeit zwar noch offen, Fakt ist aber, dass in vielen EU-Ländern die Weichen schon gestellt sind: Schon in naher Zukunft wird es Fördergelder nur mehr für energieautarke Häuser geben. Das heißt, diese Häuser werden den Energiebedarf "aus eigener Kraft" (Wärmerückgewinnung, Photovoltaik, Solar) vollständig abdecken. Und das wiederum bedeutet, dass die Zukunft Passivhaus heißen wird. Das ist nämlich tatsächlich das einzige Baukonzept mit Zukunft.

Auch wenn es da und dort noch Gegenargumente geben wird, ist das Passivhaus nicht aufzuhalten. Und wer sich damit - aus welchen Gründen auch immer - nicht anfreunden will oder kann, bekommt halt keine Fördergelder mehr. Und im schlimmsten Fall, wird dann halt der Neubau gar nicht genehmigt. So einfach ist das.

Mit dieser Erkenntnis ist auch die Frage nach einer kontrollierten Wohnraumlüftung schon fast beantwortet. Ein Passivhaus muss nämlich eine solche haben. Und ich bin der Ansicht, dass das Argument der "bakteriellen Probleme" nur ein Argument der Heizungslobby ist. Es kann schon möglich sein, dass die Systeme zur Rohrreinigung noch verbesserungswürdig sind, wobei es bereits heute Systeme gibt, die in jeder Hinsicht optimal funktionieren. Tatsache ist, dass eine Wohnraumlüftung unbestrittene Vorteile hat:
  • Die Raumluft ist immer von höchster Qualität.
  • Geschlossene Fenster sorgen bei gleichzeitig besserer Luft für einen verbesserten Lärmschutz.
  • Die warme Abluft wird wirtschaftlich als Energieträger genutzt.
Und damit hoffe ich, dass Ihnen meine Denkanstöße zumindest ein wenig bei Ihrer Entscheidung behilflich sind.

Mehr Erfolg beim Hausbau!

Wilfried Ritter
Autor und Herausgeber
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HSB | Haus-Selber-Bauen.com
HBM | HausbauManager.com

Aktuelle Ergänzung

Die aktuelle EU-Gebäuderichtlinie schreibt vor, dass ab 2020 nur mehr "Fast-Null-Energie-Gebäude", die nahezu keine Heizenergie mehr benötigen, gebaut werden dürfen. Zu erreichen ist das nur mit dem Passivhaus-Standard.

Ob das Haus dann tatsächlich ein Passivhaus ist oder ein anderes Energiesparhaus, spielt dabei keine Rolle. Es kommt nur darauf, dass das Haus im Passivhaus-Standard gebaut wird.

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