Kontrollierte Wohnraumlüftung

von Martha
(Österreich)

Ich hätte ein paar Fragen zum Thema KWL. Wir wollen ein EFH bauen und waren eigentlich fix davon überzeugt, eine KWL einzubauen, da wir die Energiestandard-Grenze von maximal 35 kWh/m².a aus Wohnbauförderungsgründen erreichen wollen. Wir haben ein Hanggrundstück in Sonnenlage (SSW-Ausrichtung).


Nun haben sich mehrere Bekannte sowie ein befragter Bauleiter negativ über die KWL geäußert: Schimmel in den Leitungen und ständig hörbares Summen im ganzen Haus sollen Standardbegleiterscheinungen sein. Täglich 2x lüften und eine dezentrale Abluftanlage in Küche und Bad sollen das gleiche bringen. Dazu kommen bei der KWL regelmäßige Servicewartungskosten und Betriebskosten.

Nun fragen wir uns, wie weit das wirklich stimmt, da es ja um eine Ausgabe von zirka 12.000 EUR geht. Liegen die Nebengeräusche nur an falscher Rohrdimensionierung und falscher Installation und kann man das bei korrekter Installation vermeiden? Bzw. sind die Verschmutzungen nur in den Abluftleitungen (keine Filter in den Abluftdüsen) und daher irrelevant für das Klima im Haus?

Der Bauleiter meinte weiters, dass die Superniedrigenergiegrenze bei Hanglage in Südausrichtung mit Wohnkeller eventuell auch ohne KWL erreichbar sei. Ist das überhaupt möglich bzw. ratsam? Wenn ja zur KWL, welche Hersteller / Systeme können Sie empfehlen? Ich hoffe, dieser Post enthält nicht zu viele Fragen ;-) Mit lieben Grüßen, Martha

Antwort:

Gut, dass Sie mich gefragt haben. Sie geben mir damit nämlich wieder einmal die Gelegenheit, auf eine typische "Krankheit" unserer Zeit aufmerksam zu machen. Und in Ihrem Fall scheint der "Krankheitserreger" bereits auf Sie übergesprungen zu sein. Was ich damit meine?

Ganz einfach: Sie sind an Leute geraten, die vorgeben, über eine Sache urteilen zu können, obwohl diese ganz offensichtlich nicht wirklich wissen, wovon sie sprechen. Die von Ihnen zitierten Argumente Ihrer Bekannten sowie des befragten Bauleiters weisen jedenfalls deutlich darauf hin, dass diese Herrschaften nichts anderes tun, als eine einmal irgendwo aufgeschnappte Meinung in bester Tratsch-Manier wiederzugeben.

Sie können aber beruhigt sein: Es passiert doch ständig, dass Leute überall ihren unqualifizierten Senf dazugeben und damit eigentlich nur den Eindruck vermitteln möchten, sie würden Fachleute sein... Ohne jetzt weiter auf das Wissen Ihrer Berater einzugehen, kann ich Ihnen an dieser Stelle nur einen wirklich gut gemeinten Rat geben, der nicht nur auf Ihre konkrete Frage bezogen ist:

Informieren Sie sich ausschließlich bei ausgewiesenen Spezialisten und Fachleuten! Lassen Sie sich nicht von Beratern verunsichern, die keine fachlichen Qualifikation nachweisen können. Im konkreten Fall hätten Sie vermutlich noch zehn weitere Personen um deren Meinung zur Wohnraumlüftung fragen können und Sie hätten darauf mit Sicherheit zehn weitere unterschiedliche Meinungen gehört.

Zur kontrollierten Wohnraumlüftung...

Für die Beantwortung Ihrer konkreten Fragen über die Funktionsweise einer Wohnraumlüftung habe ich für Sie diese Klick-Empfehlung:Wenn Sie die Möglichkeit haben, sich für eine Wohnraumlüftung zu entscheiden, dann tun Sie es! Und zwar unabhängig von allfälligen Förderungen.

Noch empfehlenswerter wäre vielleicht sogar ein echtes Passivhaus mit höchstens 15 kWh/(m²·a), trotzdem werden Sie schon alleine mit der Wohnraumlüftung ein rundum zufriedener Hausbesitzer sein. Sie werden diesen behaglichen Wohnkomfort später nicht mehr missen wollen.

Aber unbedingte Vorsicht!

Es gibt ziemlich viele Anbieter, die eine Wohnraumlüftung im Programm haben. Dabei gibt es am Markt sogar schon Lüftungsgeräte, die weniger als dreitausend Euro kosten. Beinahe jeder "ganz gewöhnliche" Installateur bietet heute schon an, eine Lüftungsanlage einzubauen.

Im eigenen Interesse sollten Sie sich aber nicht mit irgendwelchen Billig-Produkten beschäftigen, sondern wirklich nur mit den wirklich besten Produkten zufrieden geben. Tun Sie das nicht, können die Befürchtungen Ihrer Berater nämlich tatsächlich wahr werden... Holen Sie daher umfassende Informationen von Spezialisten ein.

Was Ihr Haus können muss?

Vor allem Energie sparen. Und am meisten sparen Sie dabei mit einem Passivhaus. Also mit einem Haus mit einer ausgeklügelten Haustechnik.

Vorsicht ist dabei aber geboten vor Beratern, die Ihnen das Blaue vom Himmel versprechen:
  • "Passivhaus? Kein Problem!"
  • "Wohnraumlüftung? Kein Problem!"
  • "Ökologische Baustoffe? Kein Problem!"
  • "Luftdicht bauen? Kein Problem!"
  • "Wärmeverluste minimieren? Kein Problem!"
Wenn nichts ein Problem ist, sollten Sie in jedem Fall grundsätzlich sehr vorsichtig sein. Und am besten die Finger davon lassen. Oft handeln Sie sich mit diesen "Kein-Problem-Firmen" nämlich die allergrößten Probleme ein.

Besser sind Sie beraten, wenn Sie sich auf der Suche nach dem idealen "Energiesparhaus" an folgende Empfehlungen halten:
  • Wenden Sie sich nur an die besten Firmen. Vor allem dann, wenn es um ein Passivhaus geht.
  • Lassen Sie sich von Firmen beraten, die nachweislich umfangreiche Erfahrung mit Passivhäusern haben.
  • Achten Sie nicht auf Leute, die Ihnen einreden wollen, die Haustechnik für ein Passivhaus oder überhaupt ein Passivhaus wären "viel zu teuer". Das stimmt nicht.
  • Berücksichtigen bei Ihrer Investition in Ihr neues Haus, dass nicht die Anschaffungskosten ausschlaggebend sind, sondern die Lebenskosten eines Hauses. Also wie viel ein Haus in beispielsweise 30 Jahren insgesamt kostet.
Bedenken Sie jedenfalls, dass es für Sie kein Nachteil ist, wenn unter Umständen die monatlichen Finanzierungskosten um 50 Euro höher sind, wenn Sie gleichzeitig durch ein Passivhaus 200 Euro monatliche Betriebskosten einsparen.Halten Sie sich sicherheitshalber an die Faustregel, dass die Errichtung eines richtig gebauten Passivhauses vielleicht 10% mehr kostet, als ein vergleichbares Haus mit "normaler" Haustechnik. ABER: Ihr Passivhaus kann sogar günstiger sein als ein herkömmlich gebautes Haus, weil dieses nämlich in der Regel viel effizienter geplant und gestaltet wird. Ein Vergleich mit einem herkömmlich gebauten Haus ist daher eigentlich gar nicht möglich. Und wenn Sie die 10% Sicherheitsreserve für das Passivhaus später nicht benötigen, umso besser...

Empfehlenswerte Hersteller?

Obwohl ich selbst auf meiner Website normalerweise keine bestimmten Produkte oder sogar Firmen empfehle, mache ich in diesem Fall eine Ausnahme. Der Link hier unten führt Sie zu einem der besten Unternehmen, wenn es um das Thema automatische Komfortlüftung bzw. kontrollierte Wohnraumlüftung geht. Und genau mit diesen Leuten sollten Sie Kontakt aufnehmen.Bei Drexel und Weiss erfahren Sie auf deren Website unter "Standorte und Partner" auch, wer für Sie der richtige Ansprechpartner ist, wenn es um die Installation der Wohnraumlüftung geht.

In diesem Sinne hoffe ich, Sie davon überzeugt zu haben, dass eine kontrollierte Wohnraumlüftung in jedem Fall empfehlenswert ist und dass Sie sich nicht von Beratern verunsichern lassen sollten, die nur rein subjektive Meinungen äußern.

Mehr Erfolg beim Hausbau!

Wilfried Ritter
Autor und Herausgeber
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HSB | Haus-Selber-Bauen.com
Bauhilfe24.com

PS: Hier noch ein Link zu einem meiner Forums-Beiträge. Die Frage wurde ebenfalls von mir persönlich beantwortet und passt gut zum Thema...

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