Was müssen Allergiker beim Bauen und Wohnen beachten?

von Verena Mai
(Zürich)

CC0 Public Domain

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Ein Leben als Allergiker stellt Betroffene häufig vor große Herausforderungen. Sowohl künstliche als auch natürliche Stoffe können bei Allergikern zu äußerst unangenehmen Symptomen führen. Dazu zählen zum Beispiel Juckreiz und Atembeschwerden, aber auch Erbrechen, Durchfall oder allgemeines Unwohlsein. Hat man die allergieauslösenden Stoffe erst einmal diagnostiziert, stehen Betroffene vor dem nächsten Problem: Wie kann die Aufnahme der Allergene verringert oder sogar gestoppt werden? Eine Unverträglichkeit von Lebensmitteln lässt sich meist durch eine Ernährungsumstellung und den Verzicht auf die entsprechenden Speisen behandeln. Lösen jedoch Umwelteinflüsse allergische Reaktionen aus, sind meist umfangreichere Maßnahmen im Haus oder einzelnen Wohnräumen notwendig.

Schadstoffe und Allergene in der Raumluft

Allergiker sollten ihre Wohnumgebung so gestalten, dass die Belastung durch die allergieauslösenden Stoffe möglichst gering ist. Dafür muss zunächst einmal genau geklärt werden, worauf der Betroffene reagiert.


Pollenallergiker können dann zum Beispiel den Standort ihres Hauses und die Bepflanzung des Gartens so wählen, dass störende Einflüsse minimal sind. Gräser, Birken oder Haselnusssträucher gehören zu den häufigsten Allergenen und Heuschnupfen-Patienten können auch Nachbarn bitten, diese Pflanzen möglichst nicht in der Nähe zu platzieren. Da dennoch immer wieder Pollen den Weg in die Wohnräume finden werden, schafft ein spezieller Schleusenbereich Abhilfe.

Auch Hausstauballergiker legen in der Regel sehr viel Wert auf die häusliche Hygiene. Ein Staubsauger ist jedoch nur bedingt in der Lage die Allergene zuverlässig zu entfernen. Empfehlenswert sind hier zentrale Staubsauger-Anlagen mit Filtern.

Schimmelpilze sind inzwischen bereits zu einem weit verbreiteten Problem geworden. Die korrekte Belüftung des Mauerwerkes ist wichtig und kann durch eine fehlerhafte Wärmedämmung behindert werden. Bei der Planung des Baus sollten Wärmebrücken minimiert werden, sodass weniger Feuchtigkeit auf den Oberflächen der Innenwände kondensiert. Diese unsichtbare Nässe führt sonst im schlimmsten Fall zu flächendeckendem Schimmelbefall. Darüber hinaus sind Dämmstoffe jedoch sinnvoll, um Energie zu sparen. Doch es besteht nicht nur die Gefahr der Schimmelbildung. Dämmstoffe enthalten Feinstaub, der in die Wohnräume eindringen kann. Verhindern lässt sich das durch einen fachmännischen, abgedichteten Einbau der Materialien.

Sind Standort und Bauweise richtig gewählt, sollte auch dem Innenbereich besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Putz aus Lehm oder Kalk ist meist besser für Allergiker geeignet und können durch Naturfarben ergänzt werden. Käufer sollten darauf achten, dass jeder Baustoff allergiegetestet ist. Lösungsmittelfreie Farben und Lacke fördern ebenfalls ein beschwerdefreies Wohnen. Allergene können jedoch auch in natürlichen Materialien vorkommen (z.B. Terpene in Kiefernholz). Prüfsiegel des Umweltbundesamtes, des eco-Instituts, des TÜV Nord oder das natureplus-Zeichen bescheinigen, dass die Naturstoffe unbedenklich sind. Bisher legen leider nur wenige Bauunternehmen einen Fokus auf allergikergerechtes Bauen.

Richtig heizen und lüften

Wer von einer Allergie betroffen ist, muss verschiedene Einschränkungen in Kauf nehmen und seinen Alltag anpassen.

Hausstauballergiker sollten darauf achten, die richtige Heizungsanlage einzubauen. Heizungen mit einem hohen Strahlungswärmeanteil reduzieren die Luftbewegung im Raum und wirbeln somit weniger Staub auf als Radiatoren. Ferner sind Flächenheizungen einer Fußbodenheizung vorzuziehen. Letztere führen aufgrund der Temperaturdifferenzen zwischen der Luft über dem Fußboden und im Bereich des Kopfes leider ebenfalls zum Aufwirbeln der Luft. Wer auf die angenehme Fußwärme dennoch gar nicht verzichten möchte, sollte sich wenigstens auf das Badezimmer beschränken. Bei der Gestaltung des Bodens gilt es zudem auch den Belag besonders zu beachten. Großflächige Teppiche binden ebenfalls Staub und andere Allergene. Parkett oder Fliesen lassen sich hingegen feucht reinigen. Dabei sollte selbstverständlich auf eine ausreichende Belüftung geachtet werden, da eine zu hohe Raumfeuchtigkeit auf Dauer bekanntlich zur Schimmelbildung führen kann.

Wird ein Altbau saniert, können Fußleistenheizungen eine interessante Alternative sein. Die Heizkörper werden in spezielle Fußleisten integriert. Die warme Luft steigt die Wände empor und verteilt sich über diesen Weg im Raum. Ob die Variante für Allergiker geeignet ist, muss im Einzelfall abgeklärt werden.

Wer seine Wohnräume richtig heizt, kann das Leben mit der Allergie bereits spürbar angenehmer gestalten. Das richtige Heizen sollte jedoch durch ein richtiges Belüften ergänzt werden. Grundsätzlich gilt: Je geringer die Feuchtigkeit der Luft, desto weniger Schadstoffe sammeln sich an. Putz aus Lehm und andere offenporige Baustoffe sorgen insgesamt für ein gutes Raumklima. Pollenallergiker sehen gerade im Frühjahr und im Sommer große Gefahren beim Lüften. Hat man die Pollen erst einmal umständlich entfernt und die Wohnräume gereinigt, sollen sie schließlich nicht ungehindert durch die offenen Fenster erneut eindringen.

Empfehlenswert sind Lüftungsanlagen mit Filtern. Wird die Anlage stets richtig gewartet, kann sie über lange Jahre treue Dienste leisten. Wer auf eine Filteranlage verzichten möchte, sollte das Lüften zumindest auf Tageszeiten verlagern, an denen die Pollenbelastung möglichst gering ist. Helfen all diese Maßnahmen nicht weiter, kann eine professionelle Überprüfung der Raumluft dabei helfen, weitere Schwachstellen zu identifizieren. Im schlimmsten Fall haben sich auch Kreuzallergien gebildet oder Betroffene reagieren auf neue Stoffe allergisch, sodass auch Besuch beim Facharzt in Betracht gezogen werden sollte, wenn sich die Beschwerden nicht legen.

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