Den Hausbau mit selbstgebauten Möbeln abrunden?

von Steffen Müller
(Bremen)

Das Sprichwort "wenn schon, denn schon", dürfte geläufig sein. Und für diese Situation passt es wie der Deckel auf dem Topf: Wenn man schon das ganze Haus oder zumindest einen Großteil davon selbst baut, warum sollte man dann bei der Möblierung auf das Sortiment von Ikea und Co. zurückgreifen?

Ganz recht, es würde einfach keinen Sinn machen – wenn schon, denn schon. Allerdings sind Möbel bekanntlich nicht gleich Möbel. Auf den folgenden Zeilen lesen Sie deshalb, was Sie selbst machen können und wo Sie die Grenzen ziehen sollten.

Warum sollte man Möbel selbst bauen?

Wer sein Haus selbst baut, tut es nicht selten (auch) deshalb, weil er ein Maximum an Individualität wünscht – und das zu einem tragbaren Preis.

Doch gerade beim Haus hat die Selbermacher-Individualität scharfe Grenzen. Immerhin will der Bebauungsplan beachtet werden und der kann je nach Kommune die Freiheit an kurze Leinen legen. Setzen Sie das Ganze jedoch auf Möblierung um, vervielfacht sich diese Attitüde:
  • Kein einziges Gesetz könnte Ihnen vorschreiben, was Sie innen wie ausgestalten. Selbst die Innenfarbe der selbst eingebauten Fenster ist – im Gegensatz zu ihrem äußeren Look – vollkommen frei.
  • Sie bekommen die Möglichkeit, beim Design vollends nach den Anforderungen des Gebäudes und Ihres eigenen Geschmacks zu gehen.
  • Sie können Dinge herstellen, die es so, wenn überhaupt, nur als teure Einzelanfertigung gäbe.
  • Für einen beliebigen Preis können Sie Einrichtungsgegenstände erschaffen, die qualitativ meist weit oberhalb dessen liegen, was man an Möbelhaus-Standards findet.
Ein weiterer Vorteil erwächst daraus, dass Sie als Haus-Selberbauer schon einen Gutteil des benötigten Werkzeugs sowie die Routine in seiner Benutzung besitzen.

Modernes Design bevorzugt Selbermacher

Dabei muss man bei ehrlicher Betrachtung noch einen weiteren Faktor hinzuziehen: Modernes Einrichtungsdesign ist tendenziell minimalistischer, weniger verschnörkelt.

Sie müssen keine Verzierungen fräsen können. Sie müssen nicht mit komplexen Formen arbeiten. Alles ist einfache Geometrie, ohne dass selbstgebaute Möbel optisch weniger attraktiv wären. Und es ist einfach, seiner Fantasie mit dem von Google entwickelten kostenlosen Tool SketchUp freien Lauf zu lassen – und wer nicht digital designen will, nimmt eben Bleistift und Papier wie es „richtige“ Möbeldesigner tun.

Das Rad nicht neu erfinden

Apropos Möbeldesigner: Natürlich sollte man beim Erdenken seiner Möbelträume einen eigenen Weg gehen und nicht einfach nur nachbauen. Allerdings sollte man dabei auch nicht versuchen, das Rad komplett neu zu erfinden.
Was in den vergangenen hundert Jahren im minimalistischen Design zu erfinden war, wurde erfunden. Soll heißen, Sie können sich gute Inspirationen holen und darauf aufbauend Ihre eigenen Entwürfe kreieren. Anlaufstellen dafür sind:
  • Die Netzwerke Pinterest, sowie Instagram und Tumblr, vor allem ersteres.
  • Dedizierte Wohn- und Einrichtungsmagazine, sowohl on- wie offline.
  • Selbermacherseiten im Netz.
Zudem kann es viel bringen, mit gezückter Handykamera durch Einrichtungshäuser zu gehen. Besonders diejenigen, die Möbel nicht einfach nur ausstellen, sondern zu Musterräumen zusammenstellen. Fotos machen, inspirieren lassen, weiterdenken, selbst bauen.

Einfaches für Einsteiger, das Mut macht

Selbst wenn Sie große Teile Ihres Hauses selbst bauen, werden Sie höchstwahrscheinlich gewissen Respekt gegenüber dem Möbelbau haben. Das ist zwar verständlich, aber nicht notwendig und kommt nur daher, weil Sie am Haus nur wenig machten, was im Herstellungsprozess vergleichbar wäre.
Unser Tipp deshalb: Starten Sie mit simplen Dingen, die keine großen Fähigkeiten abverlangen. Etwa:
  • Eine Lounge-Couch für die Terrasse; die Abmessungen entnehmen Sie einer normalen Couch. Sie benötigen lediglich Balkenstücke als Basis – gern auch Reste des Dach-Ausbaus. Darauf verschrauben Sie eine OSB-Platte als Sitzfläche. Eine weitere Platte wird über Scharniere als schräge Rückenlehne realisiert – entweder an die Wand angelehnt oder über dahinter angebrachte Dachlattenstücke fixiert. Für die Polsterung können Sie sich Schaumstoffe auf Maß zuschneiden lassen und beziehen diese mit einem unempfindlichen Stoff.

  • Bücherregale, gerne auch als Raumteiler. Dafür benötigen Sie ausschließlich Leimbinderbretter, die es in jedem Baumarkt gibt. Sie müssen nur ausmessen, welche Abmessungen die Fächer haben sollen – je nachdem, ob Sie darin Bücher oder DVDs lagern möchten, ob davor noch Deko stehen soll oder nicht. Nach dem Zuschnitt müssen Sie bloß an passender Stelle Löcher bohren, diese mit verleimten Holzzapfen füllen – es ist wenig mehr als beim Aufbau jedes Möbelhaus-Bausatzes ansteht.

  • Ein ganz simpler Schemel. Er benötigt massives Holz, das Sie beispielsweise aus Schaltafeln und anderen Resten der Bauarbeiten gewinnen können. Der kleine Schemel eignet sich danach ebenso als Trittleiter wie Mini-Tisch für Deko oder aber vor Couch und Sessel als Fußhocker.

  • Als enorm personifizierte Erweiterung für den eigenen Garten können Sie eine Bank selbst anfertigen. Dafür eignen sich unter anderem sogenannte Schwartenbretter. Die kann man sehr teuer im Baumarkt kaufen oder als billiges Abfallprodukt in jedem Sägewerk.
Solange Sie sich an die Maßgabe "einfache Form, wenige Teile, Holzbauweise" halten, kann dabei gar nichts schief gehen. Und vor allem bekommen Sie dadurch den Mut, sich auch an komplexere Dinge zu geben. Allerdings sollten Sie hier Ihre Grenzen kennen.

Grenzen muss man einhalten

Dabei sprechen wir hier weniger von Grenzen der Fähigkeit. Dadurch, dass Sie Möbel bauen, schulen Sie diese ganz automatisch, sodass auch Dinge möglich werden, die Sie vielleicht zu Anfang für weitaus zu schwierig hielten. Nein, viel mehr ist damit gemeint, dass Sie die Grenze dort ziehen sollten:

1. Wo Sie teures Werkzeug kaufen müssten, das jenseits dieses Möbelstücks kaum eine andere Verwendung hat.
2. Wo der Aufwand, um etwas zu bauen, zeitlich nicht mehr in Relation zur Ersparnis steht.
3. Wo vorgefertigte Möbel bei gleicher Qualität günstiger oder gleichauf im Preis liegen.

Natürlich könnten Sie von den Fähigkeiten her als Beispiel eine lederne Couchgarnitur anfertigen, einen über und über mit Schnitzereien verzierten Dielenschrank oder ein optisch schwebendes Bett aus Acrylglas. Aber der Aufwand für diese Stücke stünde in keinem Verhältnis mehr und es bestünde das hohe Risiko, damit eine "unendliche Geschichte" anzufangen, die nie endet – und das demotiviert Ihren inneren Möbelbauer mehr als alle Rückschläge oder durch Ungenauigkeit erzeugte Macken.

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