Warum soll ich einen Planziegel verwenden?

von Daniela
(Niederösterreich)

Wir wollen bei unserem Haus selber mitbauen, wissen aber nicht ob wir mit einem Planziegel mauern sollen oder konventionell bauen sollen. Von den bisher kontaktierten Baufirmen gib es dazu verschiedende Meinungen. Meinung 1: Wenn man keine Erfahrung mit Planziegel hat, dauert die Bauphase länger und man sollte die Finger davon lassen. Meinung 2: Für den Energieausweis ist es fast schon Pflicht, mit Planziegel zu mauern. Mit Planziegel zu mauern, ist wie Legosteine aufeinander zu setzen.

Bauhilfe24-Antwort

Mit den Meinungen ist das immer so eine Sache. Oft wird jedenfalls nur vermeintlich über dasselbe Problem gesprochen, obwohl in Wirklichkeit von jeweils völlig verschiedenen Voraussetzungen ausgegangen wird.


Ich weiß natürlich jetzt nicht, welche handwerklichen Fähigkeiten Sie haben. Da Sie aber bei Ihrem Haus selber mitbauen wollen, gehe ich davon aus, dass Sie das auch können. Und wenn Sie sich zutrauen, ein "normales" Mauerwerk herzustellen, kann ich Sie beruhigen: Dann werden Sie auch einen Planziegel verarbeiten können. Und dadurch wird die Bauphase sicherlich nicht verlängert. Im Gegenteil: vermutlich werden Sie sogar etwas schneller sein. Allerdings sollte der Zeitfaktor wirklich keine allzu große Rolle spielen. Auf die gesamte Baudauer gerechnet wird es ziemlich egal sein, ob Sie mit dem Mauern der tragenden Wände ein paar wenige Tage früher oder später fertig sind.

Und dass der Planziegel beim Energieausweis fast schon Pflicht ist, trifft den Nagel auch nicht auf den Kopf. Tatsache ist, dass immer der gesamte Bauteil zur Berechnung der Wärmedämmwerte herangezogen wird. Schlussendlich müssen dann alle Bauteile zusammen so vernünftig aufeinander abgestimmt sein, dass die geforderte Energiekennzahl nachweislich erreicht wird. Das ist demnach beispielsweise auch mit einem ganz "billigen" 25er Außenwandziegel in Kombination mit einem ausreichend dimensionierten, atmungsaktiven Wärmedämmverbundsystem (Vollwärmeschutz) machbar.

Um zu beurteilen, ob Sie nun einen Planziegel verwenden sollten oder nicht, müssen Sie selbst vorerst festlegen, was für Sie wichtig ist. Wenn Sie zum Beispiel nur ein einschaliges Außenmauerwerk haben wollen, führt an einem Planziegel kein Weg vorbei. Die Vorteile bei der Verwendung eines Planziegels liegen auf der Hand: Rascher Baufortschritt, geringerer Mörtelverbrauch, weniger Baufeuchte, höhere statische Belastbarkeit und auch ein besserer Wärmeschutz. Ein Ziegelmauerwerk aus Planziegeln ist aber auch optisch sehr ansprechend, was den zusätzlich Vorteil hat, dass durch die ebene Außenwand-Oberfläche die Fassadenherstellung effizienter erfolgen kann.

Beim Verarbeiten der Planziegel muss der verwendete Dünnbettmörtel übrigens die Lagerfuge vollflächig abdecken. Dafür gibt es verschiedene Herstellersysteme. Glasvlieseinlagen, Spezialmörtel oder sonstige Errungenschaften. In der Regel erfolgt das Auftragen des Mörtels mit einer speziellen Mörtelwalze.

Der Sinn dieser vollflächig deckenden Lagerfugen liegt darin, die senkrecht in der Ziegelwand entstehenden Luftkanäle zu verhindern. Für Ihr luftdichtes Haus ist das eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Werden die Planziegel - was immer noch sehr oft vorkommt - lediglich mit einem herkömmlichen Klebemörtel wie "Legosteine" aufeinandergesetzt, wird es bei der später durchzuführenden Blower-Door-Messung vermutlich aus den Steckdosen ziehen...

Der Unterschied bei den Kosten ist übrigens nicht wirklich von Bedeutung. Eine gute Baufirma wird den Planziegel demnach ohne Mehrkosten anbieten. Weil die Mehrkosten für den Ziegel durch die kürzere Verarbeitungszeit wieder wettgemacht werden.

Meine abschließende Empfehlung: Lassen Sie sich von den zur Auswahl stehenden Baufirmen als Alternative zu einem normalen Mauerwerk auch Angebote für ein Planziegel-Mauerwerk mit vollflächig deckender Mörtelfuge vorlegen. Dann wissen Sie, ob Sie bei einer der beiden Varianten Geld einsparen können oder nicht. Ihre eigene Mitarbeit sollte hier noch nicht im Vordergrund stehen. Dieser Faktor fällt nur dann ins Gewicht, wenn Sie alles selbst machen möchten.

Ich weiß zwar nicht, wie groß Ihr Haus geplant ist, bedenken Sie aber, dass eine gute Baufirma und ein eingespieltes Maurerteam dafür sorgen werden, dass die Außenwände Ihres Hauses in kürzester Zeit "stehen" werden. Oft dauert ein ganzes Geschoß nur zwei oder drei Tage.

Und weil Zeit auch Geld ist, verwenden die meisten Baufirmen heute ohnehin standardmäßig nur noch Planziegel. Aber wie schon gesagt: Der Zeitfaktor ist vor allem für Firmen von Vorteil. Für Selberbauer wiederum ist eher der Kostenfaktor ausschlaggebend.

Mehr Erfolg beim Hausbau!

Wilfried Ritter
Autor und Herausgeber
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HSB | Haus-Selber-Bauen.com
Bauhilfe24.com

(Quelle Beitrag-Foto: Pixabay.com)

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