Fassade selbst gestalten: Materialien, Systeme und worauf es beim Eigenheim tatsächlich ankommt

Die Fassade ist nicht nur das Schaufenster eines Hauses, sie ist auch eine technische Konstruktion, die dauerhaft gegen Schlagregen, Temperaturwechsel und UV-Strahlung schützt. Wer beim Hausbauen selbst Hand anlegt, steht früh vor der Frage: Welches Fassadensystem passt zu meinem Bauprojekt, meinen handwerklichen Fähigkeiten und den baurechtlichen Gegebenheiten vor Ort?

Hinterlüftete Fassade oder WDVS: zwei grundsätzlich verschiedene Systeme

Bevor es zu Material und Gestaltung kommt, muss erst mal das zugrunde liegende System festgelegt werden. Die beiden meistgenutzten Konstruktionsprinzipien sind ganz einfach das WDVS und die hinterlüftete Vorhangfassade.

Beim WDVS wird die Dämmung direkt auf die tragende Wand geklebt und dann noch mit Armierungsmörtel und Putz beschichtet. Das ist die billigere Lösung, sie verzeiht aber keine Planungsfehler: fehlt die kapillarbrechende Trennschicht oder stimmt die Dampfdiffusion nicht, hat man Feuchteprobleme, die sich nur schwer wieder beseitigen lassen. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts zur Gebäudehülle sind Feuchteschäden an Wärme-Dämm-Verbundsystemen (WDVS) meist auf Ausführungsfehler zurückzuführen, anstatt auf Mängel im System selbst.

Bei einer hinterlüfteten Vorhangfassade wird die Dämmebene durch einen Luftraum von mindestens 20 Millimetern, idealerweise 40 Millimetern, von der Außenschale getrennt. Diese Hinterlüftung spielt eine entscheidende Rolle bei der Pufferung von Feuchtigkeit und der Konvektionskühlung. Obwohl das System als technisch robuster gilt, ist es wichtig, dass die Unterkonstruktion aus Holz oder Aluminium präzise und senkrecht montiert wird.

Beim Materialvergleich: Holz und moderne Paneelsysteme


Die Wahl der Materialien hat großen Einfluss auf das Erscheinungsbild, den Pflegeaufwand sowie die Lebensdauer. Holzschalung, Faserzement, Metall und Kunststoff haben jeweils ihre eigenen Vorzüge.

Holzschalung ist eine bewährte Option im Selbstbau. Lärche oder Douglasie bieten eine hohe Wetterbeständigkeit und können entweder unbehandelt ergrauen oder lasiert werden. Der Pflegeaufwand ist jedoch relativ hoch: Je nach Witterungseinfluss ist eine Nachbehandlung alle fünf bis zehn Jahre erforderlich. Die DIN 68800 legt fest, wie beim vorbeugenden Holzschutz vorzugehen ist und welche Empfehlungen für die jeweilige Expositionsklasse gelten.

Faserzementplatten zeichnen sich durch Formbeständigkeit aus, sind nicht brennbar (gemäß Baustoffklasse A2 nach EN 13501-1) und erfordern nur wenig Wartung. Sie sind schwerer als Holz, weshalb die Unterkonstruktion entsprechend stärker dimensioniert werden muss. Für Selbstbauer sind sie leicht zu verarbeiten, wenn beim Schneiden mit geeignetem Werkzeug Staubschutz angelegt wird, da der Werkstaub lungengängig ist.

Fassadenpaneele aus Stahl oder Aluminium bieten eine werkseitig konfektionierte Lösung: Maßgenaue Zuschnitte, integrierte Befestigungsprofile und ein geschlossenes Systemkonzept verringern den Aufwand auf der Baustelle erheblich. Viele Paneelsysteme erfüllen die Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz nach MBO (Musterbauordnung) und lassen sich mit handelsüblichem Werkzeug montieren. Mammutpaneele bietet hierzu Systeme an, die auf verschiedene Unterkonstruktionstypen abgestimmt sind.

Kunststoffpaneele (PVC) sind leicht und günstig, altern aber unter UV-Einwirkung sichtbar und sind thermisch weniger belastbar. Für dauerhafte Gebäude im Eigenheim-Bereich sind sie eher eine Übergangslösung.

Befestigung und Unterkonstruktion: Hier wird oft geschlampt

Der kritischste Punkt bei hinterlüfteten Fassaden ist die Unterkonstruktion. Fehler hier zeigen sich oft erst nach Jahren, wenn sich die Paneele verziehen oder wenn das Wasser in die Dämmschicht eindringt.

Holzlatten müssen auf die tragende Wand gedübelt werden, die Anforderungen an die Verankerung schreibt die ETAG 034 (Europäische Technische Bewertung für hinterlüftete Vorhangfassaden) vor. Für Mauerwerk aus Porenbetonsteinen gelten andere Dübel als für Stahlbeton oder für Kalksandstein. Ohne korrektes Dübelmuster und ohne Berücksichtigung der Windlast fehlt der statische Nachweis, der bei Baugenehmigungen gefordert wird.

Aluminium-Unterkonstruktionen sind korrosionsbeständiger und maßgenauer als Holz, aber auch erheblich teurer. Sie haben den Vorteil längerer Montageachsen, weil das Material weniger arbeitet als Holz bei wechselnder Luftfeuchtigkeit. Selbstbauern sei gesagt: Die Grundlage für eine exakte Fugenlage und schöne Fassadenansicht ist eine sorgfältig justierte Unterkonstruktion. Laser-Wasserwaage und Richtschnur sind hier keine Schnickschnackgeräte, sondern Pflichtwerkzeug. Zeitpuffer für das Setzen der Dübel und vorzeitiges Aushärtenlassen von Injektionsmörteln sollte man von Anfang an einplanen.

Planung vor Ausführung: Was von den Baubehörden gefordert wird

Die Fassadenänderung, der Fassadenaufbau sind nicht immer verfahrensfrei. Je nach Bundesland und Bauvolumen kann eine Genehmigung erforderlich sein. Wer in einem Bebauungsplangebiet baut, ist an die Festsetzungen zur äußeren Gestaltung gebunden. Materialwahl, Farbgebung, Reflexionsgrade werden hier oft festgelegt.

Brandschutzabstände sind besonders bei mehrgeschossigen Gebäuden zu beachten. Ab einer Gebäudehöhe von 7 m (Oberkante Fußboden Obergeschoss, je nach Bundesland) sind die Fassadenmaterialien mindestens schwerentflammbar (Baustoffklasse B1 nach DIN 4102) auszuwählen. Viele Metallpaneel-Systeme genügen diesen Anforderungen, Holz nicht ohne vorbeugende Behandlung.

Energieausweis und die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetz (GEG) sind bereits bei der Dämmstärke zu beachten. Der U-Wert der Außenwand darf bei den Neubauten nach GEG 2023 maximal 0,24 W/(m²K) betragen. Wer das bei der Planung des Schichtaufbaus berücksichtigt, spart sich teure Nachbesserungen.

Wer jetzt konkret plant, sollte zunächst das System (WDVS oder hinterlüftet) festlegen, dann das Material und erst dann Angebote für Unterkonstruktion und Bekleidung einholen. Diese Reihenfolge ist nicht willkürlich gewählt, sie spiegelt die Abhängigkeiten im Bauvorgang wieder.

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