Heizung im Neubau planen: Die wichtigsten Schritte für Bauherren

von Nicolas

Viele Faktoren entscheiden darüber, ob die Kosten für eine Heizung im Neubau realistisch eingeschätzt und richtig geplant werden. Man sollte beispielsweise bedenken, dass es entsprechende Förderungen für energieeffiziente Häuser (KfW 40 und KfW 55) gibt, die eine Unterstützung von bis zu 70 Prozent versprechen. Welche Faktoren noch wichtig sind, erfahren Sie hier.

Das bewirkt eine gute Heizungsplanung

Wer neu baut, möchte eine Heizung, die langlebig und effizient arbeitet.

Diese langfristigen Vorteile bietet eine gute Heizungsplanung:
  • niedrige Heizkosten
  • eine ideale Energieeffizienz, auch noch nach vielen Jahren
  • Zukunftssicherheit angesichts strengerer gesetzlicher Vorgaben (Gasheizungen sind im Neubau nur noch eingeschränkt erlaubt)

Wie viel Heizwärme wird benötigt? Heizwärmebedarf berechnen

Um sicherzugehen, dass eine neu eingebaute Heizung zu den eigenen Anforderungen passt, muss der Bedarf an Heizwärme korrekt berechnet werden.

Eine Heizung richtig planen? Damit das gelingt, sind folgende Faktoren entscheidend:
  • Größe des Hauses (z.B. 100m² oder 200m²)?
  • Dämmstandard: Wie gut sind die Wände gedämmt?
  • Fensterflächen: Welche Verglasung haben die Fenster? In einem Neubau ist von einer Zweifach- oder Dreifachverglasung auszugehen.
  • Lage & Klima: Wo befindet sich das Haus? Wie sind die Temperaturen (vor allem im Winter)?
Eine eingebaute Heizungsanlage sollte weder zu wenig noch zu viel Kapazität haben, um ideal zu laufen. Daher sind diese Punkte wichtiger als gedacht.

Heizungsart wählen

Im Neubau setzen die meisten Bauherren auf Wärmepumpen oder Hybridlösungen. Gasheizungen werden immer seltener und sind nur noch eingeschränkt erlaubt.

Wärmepumpe (Standard im Neubau):
  • Luft-Wasser oder Sole-Wasser: Luft-Wasser ist kostengünstiger, Sole-Wasser effizienter, aber mit hohen Anfangskosten für entsprechende Bohrungen verbunden.
  • garantiert hohe Effizienz
  • höhere Einbaukosten, aber geringe Betriebskosten
  • besonders umweltfreundlich
  • ideal mit Fußbodenheizung zu kombinieren
Hybridlösungen werden derzeit ebenfalls zunehmend beliebter. Diese setzen auf eine Kombination von:
  • Wärmepumpe und Solarthermie
  • Wärmepumpe und PV-Anlage

Fußbodenheizung nach wie vor im Trend

Fast immer wird im Neubau eine Fußbodenheizung eingebaut, statt auf klassische Heizkörper an den Wänden zu setzen. Diese bietet wohlige Wärme direkt unter den Füßen. Außerdem sparen Hausbesitzer Platz und haben mehr Stellfläche, wenn die Wände frei von Heizkörpern bleiben.

Eine Fußbodenheizung garantiert:
  • eine gleichmäßige Wärme
  • niedrige Vorlauftemperatur (Heizkörper hingegen haben eine hohe Vorlauftemperatur!)
  • eine ideale Zusammenarbeit mit Wärmepumpen

KfW-Förderungen für moderne Heizungssysteme

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fördert Neubauten und Sanierungen von Heizungssystemen, wenn vorgegebene energetische Standards eingehalten werden. Die Heizung spielt bei einer energetisch nachhaltigen Sanierung eine zentrale Rolle, weil sie den größten Teil des Energieverbrauchs ausmacht. Besonders beliebt sind die KfW 40 und KfW-55-Programme, bei denen ein Großteil der Sanierung gefördert wird.

Generell förderfähige Heizungen für KfW 40 und KfW 55 sind:
  • Wärmepumpen (Luft-Wasser oder Sole-Wasser)
  • Biomasseheizungen (Pellets, Hackschnitzel)
  • Solarthermie in Kombination mit Heizsystemen (meist Wärmepumpe)
  • Hybridlösungen (z. B. Wärmepumpe und Solar)

KfW 40

KfW 40 beschreibt ein Effizienzhaus der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), für das hohe energetische Ansprüche gestellt werden. Es verbraucht nur 40 % der Energie eines vergleichbaren Neubaus nach gesetzlichen Mindeststandard (EnEV/GEG) und wird dadurch förderfähig. Dafür müssen Dämmung, Fenster, Lüftung sowie eine effiziente Heizung perfekt aufeinander abgestimmt sein. Der maximal erhältliche Zuschuss liegt bei 37.500 €, für die aber höchste Ansprüche erfüllt sein müssen.

Anforderungen an KfW-40-Häuser sind hoch:

≤ 40 % des Energieverbrauchs eines Referenzgebäudes
  • Fenster mit Dreifachverglasung
  • Luftdichtheit: n50 < 0,6/h (Blower-Door-Test)
  • Außenwände, Bodenplatte und Dach müssen sehr gut gedämmt sein
  • Heizung: effizient, muss niedrigtemperaturfähig (= besonders niedrige Vorlauftemperatur) sein (Wärmepumpe, Biomasse, Hybrid: Wärmepumpe samt Photovoltaikanlage/Solarthermie, um den notwendigen Wert zu erreichen)
  • Kontrollierte Wohnraumluft (Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung) oft notwendig, um Referenzwert zu erreichen

KfW 55

Das KfW-Programm 55 ist ein weiteres Förderungsmodell der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Ein KfW-55-Haus darf maximal 55?% der Primärenergie eines vergleichbaren Neubaus nach gesetzlichem Standard verbrauchen.

Es handelt sich ebenfalls um eine sehr energieeffiziente Form des Neubaus, aber eine weniger strenge als KfW 40.
Anforderungen an KfW 55-Neubauten:

maximal 55 % des Energieverbrauchs eines Referenzgebäudes
  • Fenster: je nach Neubau und Referenzwert Doppel- oder meist Dreifachverglasung
  • Luftdichtheit muss gegeben sein, aber Anforderungen sind etwas geringer als bei KfW 40: Blower-Door-Test: ca. n50 ≤ 1,0/h
  • Heizung: Wärmepumpe, Gas-Hybrid (Gas-Brennwertheizung mit einer erneuerbaren Energiequelle; Gasheizung wird nur bei erhöhtem Energiebedarf zugeschaltet), Biomasse-Heizung möglich
  • Kontrollierte Wohnraumluft empfohlen, aber keine Pflicht (wenn Energieeffizienz auch anders erreicht ist)
  • Zuschuss von maximal 26.250 € möglich
Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Anforderungen an KfW 40-Häuser sind deutlich höher als an KfW 50-Neubauten. Für die höheren Auftragskosten werden entsprechend höhere Fördersummen gezahlt. Je effizienter der Energieverbrauch eines Hauses, desto geringer sind die später anfallenden Energiekosten.

Dennoch sollte jeder Hausbesitzer für sich selbst entscheiden, ob er den Mehraufwand und die anfänglichen Mehrkosten, während einer ohnehin schon stressigen Bauphase, auf sich nehmen möchte. Bei der Entscheidung hilft auch der ohnehin benötigte Energieberater.

Energieberater ist verpflichtend

Ein Energieberater muss prüfen, ob alle Anforderungen erfüllt sind, um eine KfW-Förderung zu erhalten. Ohne Energieberater geht es nicht. Der Antrag auf die Fördermittel muss vor Baubeginn gestellt werden, nachträglich ist dieser nicht mehr möglich. Achtung: Auch ein Energieberater kostet Geld. Wenn dieser für eine KfW-Förderung 40 deutlich mehr Arbeit investieren muss (was mehr kostet), ist es manchmal sinnvoller, eine KfW 55-Förderung zu nutzen.

Gasheizungen werden kaum noch gefördert und sind seit 2024 in Neubauten nur noch eingeschränkt erlaubt. In Neubaugebieten sind sie bereits komplett verboten. Heizsysteme müssen dort 65 % erneuerbare Energien nutzen, reine Gas- oder Ölheizungen sind nicht mehr gestattet.

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