Mischabfall auf der Baustelle

von Stefan
(Klaus)

Wer ein Haus baut, denkt meist zuerst an Grundriss, Materialpreise, Zeitplan und Gewerke. Die Entsorgung der anfallenden Abfälle rückt oft erst dann in den Vordergrund, wenn der Container bereits bestellt ist und auf der Baustelle die ersten Reste aus Verpackungen, Folien, Holz, Dämmstoffen, Mörtelresten oder ausgebauten Bauteilen zusammenkommen. Genau in diesem Moment entstehen jedoch viele der späteren Mehrkosten.

Denn Zusatzkosten bei Mischabfall entstehen selten zufällig, sondern fast immer dann, wenn Materialien unsauber getrennt, ungeeignete Stoffe in denselben Behälter geworfen oder verwertbare Fraktionen unnötig mit problematischen Resten vermischt werden. Wer früh Ordnung schafft, spart daher nicht nur Geld, sondern vermeidet auch Verzögerungen bei Abholung, Nachsortierung und neuer Containerbestellung.

Warum Mischabfall auf Baustellen schnell teuer wird

Mischabfall klingt zunächst praktisch, weil nicht für jede einzelne Stoffgruppe ein eigener Behälter bereitgestellt werden muss. Auf kleinen und mittleren Baustellen ist ein Mischcontainer deshalb eine sinnvolle Lösung. Wirtschaftlich bleibt diese Lösung aber nur dann, wenn wirklich nur jene Stoffe in den Container gelangen, die für diese Sammelform vorgesehen sind. Schon wenige Fehlwürfe können dazu führen, dass der gesamte Inhalt anders eingestuft, aufwendiger sortiert oder gesondert behandelt werden muss. Das verteuert die Entsorgung und kann den kalkulierten Baustellenablauf spürbar belasten.

Ein sauber geplanter Mischcontainer ist kein Freibrief für alles, was auf der Baustelle übrig bleibt. Deshalb lohnt es sich, vor der Bestellung genau zu prüfen, welche Stoffe in den Mischcontainer gehören und welche gesondert entsorgt werden müssen. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht nur die rechtliche Sauberkeit, sondern vor allem die Kostenkontrolle: Sobald der Containerinhalt verunreinigt ist, wird aus einer einfachen Sammellösung schnell ein teurer Problemfall.

Dass getrennte und geordnete Entsorgung in Österreich kein Randthema ist, zeigt auch ein aktueller Blick auf die Abfallwirtschaft insgesamt: Laut Umweltbundesamt lag die Recyclingquote der Siedlungsabfälle in Österreich zuletzt bei 62,8 Prozent. Das zeigt, wie stark funktionierende Trennung und Verwertung bereits in bestehende Systeme eingebunden sind und wie wenig sinnvoll vermeidbare Vermischungen auf Baustellen sind.

Welche Stoffe auf der Baustelle getrennt bereitstehen sollten

Besonders hilfreich ist eine einfache Sammelstruktur direkt am Ort des Anfalls. So werden problematische Fehlwürfe gar nicht erst wahrscheinlich, und Handwerker greifen automatisch zum richtigen Behälter.

Sinnvoll ist in vielen Fällen eine Trennung nach diesen Gruppen:
  • mineralische Reste wie sauberer Bauschutt,
  • Holz, Metalle und Verpackungen, sofern sie in nennenswerter Menge getrennt anfallen,
  • problematische oder gefährliche Stoffe, die keinesfalls in den Mischabfall dürfen,
  • Mischabfall nur für jene Reststoffe, die sich auf der Baustelle realistisch nicht wirtschaftlich einzeln sammeln lassen.
Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu gefährlichen oder speziell zu behandelnden Stoffen. Dazu können je nach Bauzustand und Bestandsgebäude etwa asbesthaltige Materialien, bestimmte Mineralfasern, Farb- und Lackreste, Lösungsmittelbehälter oder andere schadstoffhaltige Bauteile zählen. Solche Stoffe dürfen nicht aus Bequemlichkeit im Mischcontainer landen, nur weil gerade kein anderer Behälter bereitsteht. Die Stadt Wien weist auf ihrer Informationsseite zur Entsorgung spezieller Abfallarten wie Asbest und künstlicher Mineralfasern ausdrücklich auf die gesonderte Behandlung solcher Materialien hin.

Gerade bei Sanierungen älterer Gebäude ist außerdem Vorsicht geboten, weil problematische Stoffe oft nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Eine unsaubere Vermischung belastet dann nicht nur die Entsorgungskosten, sondern kann auch die Arbeitssicherheit und die weitere Behandlung der gesamten Containerladung beeinträchtigen.

Welche Stoffe in den Mischcontainer gehören - und welche nicht

Damit ein Mischcontainer auf der Baustelle keine unnötigen Zusatzkosten verursacht, muss die Befüllung von Anfang an klar geregelt sein. Entscheidend ist, dass nur gemischte, nicht gefährliche Baustellenabfälle eingefüllt werden, während problematische, schadstoffhaltige oder gesondert verwertbare Materialien draußen bleiben. So lässt sich vermeiden, dass der Container wegen Fehlbefüllung nachsortiert oder sogar anders eingestuft werden muss.

In den Mischcontainer gehören je nach Anbieter und regionalen Vorgaben meist:
  • Tapetenreste
  • Verpackungsmaterial
  • Folien
  • Kunststoffe
  • Holzreste
  • Metalle
  • Kabel
  • Teppichreste
  • leere Baustoffsäcke
  • kleinere Gipsreste
  • gemischte Ausbauabfälle
  • Reste aus Abbrucharbeiten ohne Schadstoffe
Nicht in den Mischcontainer gehören in der Regel:
  • Asbest
  • Mineralwolle mit gesonderter Entsorgungspflicht
  • Farben
  • Lacke
  • Lösungsmittel
  • flüssige Abfälle
  • belastetes Holz
  • schadstoffhaltige Dämmstoffe

Gute Entsorgung beginnt vor dem ersten Container

Schon vor Baubeginn sollte geklärt sein, welche Arbeiten welche Abfallarten erzeugen. Beim Rohbau fallen andere Stoffe an als bei der Sanierung eines Altbestands oder beim Innenausbau. Wer diese Phasen zusammendenkt, bestellt Container bedarfsgerechter und vermeidet hektische Zwischenlösungen.

Hilfreich ist es, den Baustellenablauf mit der Entsorgungslogistik abzustimmen. Das bedeutet in der Praxis: Abstellflächen definieren, Sammelstellen beschriften, Verantwortlichkeiten festlegen und Handwerker kurz einweisen. Auf gut organisierten Baustellen reicht oft schon eine knappe Absprache, um Fehlbefüllungen deutlich zu senken. Wird dagegen alles irgendwo abgelegt, landen früher oder später Dämmstoffreste, Verpackungen, Metallteile und problematische Baustoffe ungeprüft im selben Behälter.

Auch aus Sicht der Kreislaufwirtschaft ist sauberes Trennen wichtig. Das Umweltbundesamt verweist in seiner Detailstudie zu Bau- und Abbruchabfällen darauf, dass für nicht gefährliche Bau- und Abbruchabfälle ein Zielwert von 70 Prozent für Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling und sonstige stoffliche Verwertung gilt und dass Österreich dieses Ziel bereits erfüllt. Wer auf der Baustelle unnötig vermischt, arbeitet also gegen jene Struktur, die hochwertige Verwertung überhaupt erst ermöglicht.

Typische Fehler, die Mehrkosten auslösen

Ein häufiger Irrtum besteht darin, Mischabfall mit unsortiertem Gesamtmüll gleichzusetzen. Tatsächlich ist Mischabfall nur dann wirtschaftlich, wenn die Zusammensetzung im zulässigen Rahmen bleibt. Wer beispielsweise schwere mineralische Reste, sperrige Bauteile, verunreinigte Stoffe und problematische Materialien unkontrolliert zusammenträgt, macht aus einer bequemen Lösung schnell einen teuren Sonderfall. Noch häufiger entsteht Mehrkostenpotenzial dadurch, dass verwertbare Stoffe nicht separat erfasst werden, obwohl dafür ausreichend Menge vorhanden wäre.

Ebenso problematisch ist es, zu große Container zu bestellen und sie dann mit allem zu befüllen, was während der Bauphase gerade im Weg liegt. Dadurch steigt nicht nur die Entsorgungsmenge, sondern oft auch der Anteil an Fehlwürfen. Wirtschaftlicher ist es meist, den Container passend zur Bauphase zu wählen und die Baustelle regelmäßig zu räumen. So bleibt sichtbar, welche Stoffe tatsächlich in welchen Mengen anfallen.

Bild: photovs / clipdealer.de

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