Photovoltaik beim Hausbau

von Stefan
(Klaus)

Wer ein Haus selbst baut oder den Neubau intensiv begleitet, trifft viele Entscheidungen, die später nur mit Aufwand korrigiert werden können. Dazu gehört auch die Frage, wie das Dach künftig genutzt werden soll. Photovoltaik wird dabei häufig erst betrachtet, wenn die Dachform schon feststeht, die Leitungswege geplant sind und der Technikraum kaum noch Reserven bietet. Sinnvoller ist es, die Solaranlage früh in die Bauplanung einzubeziehen. Dann lassen sich Dachneigung, Ausrichtung, Verschattung, Statik, Zählerplatz, Speicheroptionen und spätere Erweiterungen sauber aufeinander abstimmen.

Photovoltaik früh in die Hausplanung einbeziehen

Eine Photovoltaikanlage funktioniert am besten, wenn das Dach möglichst frei von störenden Aufbauten bleibt. Schornsteine, Gauben, Entlüftungen, Dachfenster und Satellitenschüsseln können die nutzbare Fläche verkleinern oder Teilverschattungen verursachen. Schon kleine Schattenbereiche können die Leistung einzelner Modulflächen beeinflussen, wenn die Anlage nicht passend geplant wird. Deshalb sollte die Dachgestaltung nicht nur nach Optik und Raumgewinn beurteilt werden, sondern auch nach ihrer Eignung für Solarstrom.

Auch die Dachausrichtung spielt eine Rolle. Süddächer liefern häufig hohe Erträge zur Mittagszeit, während Ost-West-Dächer die Stromproduktion breiter über den Tag verteilen können. Gerade bei Haushalten, die morgens und abends viel Strom benötigen, kann eine solche Verteilung vorteilhaft sein. Beim Neubau lohnt sich außerdem ein Blick auf den Technikraum. Wechselrichter, Zählerschrank, Leitungsführung und eventuell ein Batteriespeicher benötigen Platz, gute Zugänglichkeit und eine saubere Elektroplanung.

Ein belastbarer Grund für die frühe Planung ist die Bedeutung von Dachanlagen insgesamt: Nach Angaben des Umweltbundesamtes waren in Deutschland im Februar 2024 etwa 3,3 Millionen Photovoltaik-Dachanlagen mit zusammen rund 57 Gigawatt Leistung in Betrieb; damit lagen etwa zwei Drittel der bundesweiten Photovoltaikleistung auf Dachflächen. Mehr Informationen dazu bietet das Umweltbundesamt auf der Seite zu Photovoltaik-Dachanlagen.

Solarstrom direkt im Haus nutzen

Der Eigenverbrauch ist für viele Bauherren besonders attraktiv, weil der selbst erzeugte Strom den Strombezug aus dem Netz verringert. Je höher der Anteil des direkt genutzten Solarstroms ist, desto stärker wirkt die Anlage im Alltag auf die laufenden Energiekosten. Besonders sinnvoll ist das, wenn große Verbraucher bewusst in die sonnenreichen Stunden gelegt werden. Dazu zählen Waschmaschine, Geschirrspüler, Wärmepumpe, Warmwasserbereitung oder das Laden eines Elektroautos.

Ein Batteriespeicher kann den Eigenverbrauch erhöhen, weil er Solarstrom vom Tag in die Abend- und Nachtstunden verschiebt. Er sollte aber zur Anlagengröße und zum Verbrauch passen. Ein zu großer Speicher verursacht unnötige Kosten, ein zu kleiner Speicher schöpft das Potenzial nicht aus. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Batteriespeicher den Anteil des im Haus genutzten Solarstroms deutlich erhöhen können, zugleich aber wirtschaftlich sorgfältig ausgelegt werden müssen. Eine gute Grundlage bietet der Ratgeber der Verbraucherzentrale zu Batteriespeichern für Photovoltaik-Anlagen.

Für den Hausbau sind vor allem folgende Punkte wichtig:
  • ausreichend Platz im Technikraum für Wechselrichter, Zählertechnik und mögliche Speicherlösung einplanen

  • Leerrohre und Leitungswege vom Dach bis zum Hausanschluss früh vorsehen

  • große Stromverbraucher wie Wärmepumpe, Wallbox und Warmwasserbereitung gemeinsam mit der Photovoltaik planen

  • Dachflächen möglichst frei von Verschattung und unnötigen Aufbauten halten
Wer diese Punkte bereits während der Bauphase berücksichtigt, vermeidet spätere Nacharbeiten und schafft mehr Freiheit bei der Auswahl der Anlage.

Überschüsse sinnvoll verwerten

Selbst bei gut geplantem Eigenverbrauch wird eine Photovoltaikanlage zeitweise mehr Strom erzeugen, als im Haus gerade benötigt wird. Dieser Überschuss kann in das öffentliche Netz eingespeist werden. Dafür gibt es eine gesetzlich geregelte Vergütung, deren Höhe von Anlagengröße, Inbetriebnahmezeitpunkt und Einspeisemodell abhängt. Bei der sogenannten Überschusseinspeisung wird zunächst der eigene Bedarf gedeckt, nur der Rest geht ins Netz. Bei der Volleinspeisung wird der gesamte erzeugte Strom eingespeist, was für private Neubauten aber seltener die naheliegende Lösung ist.

Die Bundesnetzagentur erklärt für Deutschland, dass die Einspeisevergütung für Solaranlagen mit einer installierten Leistung bis 100 Kilowatt in Anspruch genommen werden kann; bei Überschusseinspeisung gelten reguläre Fördersätze, bei Volleinspeisung erhöhte Fördersätze. Die aktuellen Rahmenbedingungen sind auf der Seite der Bundesnetzagentur zur EEG-Förderung und zu Fördersätzen dargestellt.

Für Bauherren bedeutet das: Die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage sollte nicht allein über die Einspeisevergütung beurteilt werden. Wichtiger ist meist das Zusammenspiel aus Anschaffungskosten, Eigenverbrauch, Strompreis, möglichem Speicher, Anlagengröße und künftigen Verbrauchern im Haus. Eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto kann den Eigenverbrauch deutlich verändern. Deshalb sollte die Anlage nicht nur nach dem heutigen Strombedarf dimensioniert werden, sondern auch nach absehbaren Entwicklungen der nächsten Jahre.

Dachverpachtung

Die Dachverpachtung unterscheidet sich deutlich vom Eigenbetrieb. Dabei stellt der Eigentümer seine Dachfläche einem Anlagenbetreiber zur Verfügung, der dort eine Photovoltaikanlage errichtet und betreibt. Der Gebäudeeigentümer erhält dafür eine Pacht. Dieses Modell kann interessant sein, wenn ausreichend große, gut geeignete Dachflächen vorhanden sind, der Eigentümer aber nicht selbst investieren oder die Anlage betreiben möchte.

Für klassische Einfamilienhäuser ist dieses Modell in der Regel nicht geeignet. Entscheidend ist die Flächengröße: Dachverpachtung kommt üblicherweise erst ab etwa 1.000 Quadratmetern Dachfläche infrage. Damit richtet sich das Modell eher an Eigentümer von landwirtschaftlichen Gebäuden, Gewerbehallen, Lagerflächen oder größeren Gebäudekomplexen. Wer eine solche Fläche besitzt, sollte neben der Größe auch Dachzustand, Statik, Restlebensdauer der Eindeckung, Netzanschluss und vertragliche Laufzeiten prüfen.

Zur ersten Orientierung kann ein Dachpachtrechner helfen, mögliche Pachteinnahmen für große Dachflächen einzuschätzen. Er ersetzt keine technische Prüfung, gibt aber einen ersten Anhaltspunkt, ob sich eine genauere Betrachtung lohnt.

Bei Neubauten mit sehr großen Nebengebäuden sollte die Dachverpachtung früh mitgedacht werden. Ein sanierungsbedürftiges Dach, unklare Eigentumsverhältnisse oder eine ungünstige Statik können eine spätere Nutzung erschweren. Wer dagegen von Anfang an tragfähige, gut zugängliche und zusammenhängende Dachflächen plant, verbessert die Voraussetzungen für verschiedene Nutzungsmodelle.

Bild: Smileus / clipdealer.de

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