Die richtige Schraube für jeden Baustoff: Holz, Beton, Gipskarton und Blech im Überblick

Im Werkzeugkoffer der meisten Hausbesitzer liegt eine Sorte Schrauben, und die muss für alles herhalten. Das geht überraschend lange gut und endet dann an einer Wand, die den Dübel nicht hält, oder an einem Blech, das sich beim Bohren aufwölbt. Dabei ist die Zuordnung überschaubar. Vier Untergründe decken fast jede Aufgabe im Haus ab, und jeder von ihnen verlangt eine eigene Bauform. Wer sie kennt, spart sich das Ausprobieren und die Löcher, die davon zurückbleiben.

In Holz zieht das Gewinde, nicht der Dübel

Holz ist der Einzige der vier Untergründe, in dem die Schraube direkt hält. Das Gewinde schneidet sich in die Fasern und erzeugt den Auszugswiderstand selbst. Entscheidend ist deshalb die Gewindeform. Ein grobes, weit gestelltes Gewinde greift in weichem Nadelholz besser als ein feines, weil zwischen den Gängen mehr Material stehen bleibt. Für Spanplatten und Holzwerkstoffe gibt es entsprechend eigene Ausführungen, deren Gewinde bis zur Spitze durchläuft.

Die zweite Größe ist die Teilgewindeschraube. Bei ihr bleibt der obere Schaftbereich glatt, wodurch das obere Bauteil nach unten gezogen und fest an das untere gepresst wird. Bei einer durchgehend gewindeten Schraube passiert das nicht, und zwischen den Teilen bleibt ein Spalt. Für alle Verbindungen, bei denen zwei Hölzer aufeinanderliegen sollen, ist das der entscheidende Punkt.

Beton hält nur über eine Verankerung

In Beton greift kein Gewinde. Die Last wird entweder über Reibung oder über einen Formschluss übertragen, und dafür braucht es ein Zwischenstück. Für leichte Lasten reicht der Kunststoffdübel, der sich beim Eindrehen spreizt. Für schwere Lasten kommen Metalldübel oder Verbundsysteme infrage, bei denen ein Mörtel die Verankerung übernimmt. Eine dritte Variante ist die Betonschraube, die sich ihr Gewinde selbst in das vorgebohrte Loch schneidet und ohne Dübel auskommt.

Bei allen Varianten entscheidet die Sauberkeit des Bohrlochs über die Tragfähigkeit. Bohrmehl im Loch kann die Haltekraft halbieren, weshalb ausblasen oder aussaugen zum Arbeitsgang gehört. Ebenso wichtig ist der Bohrdurchmesser, denn ein zu großes Loch lässt sich durch nichts ausgleichen. Gebohrt wird im Beton mit Hammerschlag, in Lochziegeln dagegen ohne, weil die Stege sonst brechen.

Welche Schraube zu welchem Dübel passt, steht in der Regel auf der Verpackung des Dübels, weil beide als System geprüft werden.

Wofür es eine bauaufsichtliche Zulassung braucht

Bei tragenden Befestigungen endet der Bereich, in dem man nach Gefühl arbeiten darf. Das Deutsche Institut für Bautechnik erteilt für Metalldübel allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen, in denen Einsatzbereich, Mindestabstände und zulässige Lasten festgelegt sind. Für Kunststoff- und Verbunddübel gilt dasselbe Verfahren.

Praktisch betrifft das jede Befestigung, an der Personen zu Schaden kommen könnten, also Geländer, Markisen, Vordächer und schwere Hängeschränke. Die Zulassungsnummer steht auf der Verpackung, und mit ihr lassen sich die zulässigen Lasten nachschlagen. Für ein Bücherregal ist dieser Aufwand übertrieben, für die Befestigung einer Kletterwand im Kinderzimmer nicht.

Gipskarton trägt nichts, die Konstruktion dahinter schon

Eine Gipskartonplatte ist zwölfeinhalb Millimeter dünn und bricht unter Punktlast aus. Deshalb gilt die erste Regel, dass alles Schwere in das Ständerwerk dahinter geschraubt wird. Ein Magnetsucher findet die Metallprofile in Sekunden. Erst wenn das nicht möglich ist, kommen Hohlraumbefestigungen ins Spiel, und dort unterscheidet man nach Last. Federklappdübel und Metallhohlraumdübel tragen deutlich mehr als die einfachen Kunststoffvarianten, weil sie sich hinter der Platte großflächig aufspreizen. Zu beachten ist außerdem, dass doppelt beplankte Wände zwei Plattenlagen haben, was die nutzbare Länge der Hohlraumbefestigung verändert.

Wie die Wand darunter überhaupt aufgebaut ist, macht der Vergleich zwischen Trockenbau und Nassbau deutlich. Bei einer massiv gemauerten Wand gelten wieder andere Regeln, weil Lochziegel und Porenbeton eigene Dübel verlangen.

Mauerwerk ist der Untergrund mit den meisten Überraschungen

Zwischen Beton und Gipskarton liegt das Mauerwerk, und dort wird es unübersichtlich. Ein Vollziegel verhält sich fast wie Beton, ein Lochziegel dagegen völlig anders, weil der Dübel in einen Hohlraum spreizt und dort nichts findet. Für Lochsteine gibt es deshalb Dübel mit langer Spreizzone, die sich in mehreren Kammern verankern, sowie Siebhülsen für Verbundmörtel. Porenbeton wiederum ist so weich, dass Standarddübel das Material zermahlen, weshalb dort eigene Schraubdübel eingesetzt werden, die sich großflächig einschneiden. Vor dem Bohren hilft ein einfacher Test. Kommt beim Bohren rotes Mehl, ist es Ziegel, kommt graues, meist Beton oder Kalksandstein. Und wer plötzlich ohne Widerstand durchrutscht, hat einen Hohlraum getroffen und braucht einen anderen Dübel.

Blech verlangt eine Schraube, die bohrt und dichtet

Bei dünnen Metallen übernimmt die Bohrschraube zwei Arbeitsschritte auf einmal. Ihre Spitze ist als Bohrer ausgeführt und durchdringt das Blech, bevor das Gewinde greift. Damit entfällt das Vorbohren, und die Schraube sitzt zentriert. Für Trapezbleche und Dacheindeckungen kommt eine Dichtscheibe aus EPDM hinzu, die das Bohrloch gegen Wasser abschließt.

Zwei Fehler wiederholen sich bei dieser Anwendung. Der eine ist zu hohes Drehmoment, wodurch die Dichtscheibe zerquetscht wird und ihre Funktion verliert. Der andere ist die falsche Werkstoffpaarung, denn eine verzinkte Schraube in einem Aluminiumblech führt zu Kontaktkorrosion. Bei Aluminium gehört Edelstahl dazu, und zwar mit einer Unterlegscheibe aus demselben Werkstoff. Wer unsicher ist, dreht die erste Schraube an einer verdeckten Stelle ein und prüft dort das Ergebnis.

Eine kurze Zuordnung für den Alltag

Für den Griff in den Werkzeugkoffer lässt sich das so zusammenfassen:
  • Weiches Nadelholz: Spanplattenschraube mit grobem Gewinde, ohne Vorbohren
  • Hartholz und Sperrholz: Teilgewinde, vorgebohrt mit Durchgangs- und Kernloch
  • Beton, leichte Last: Kunststoffdübel mit passender Schraube aus demselben System
  • Beton, tragende Last: Metall- oder Verbunddübel mit Zulassung, alternativ Betonschraube
  • Gipskarton: möglichst ins Ständerwerk, sonst Federklapp- oder Metallhohlraumdübel
  • Blech und Dachprofil: Bohrschraube mit Dichtscheibe, Werkstoff passend zum Blech

Wo im Rohbau die Entscheidung schon fällt

Viele Befestigungsprobleme entstehen lange vor dem ersten Loch. Wer weiß, wie die Betonarbeiten beim Hausbau ausgeführt wurden, kennt die Bewehrungslage und weiß, wo tiefer gebohrt werden darf. Ein angebohrter Bewehrungsstahl ist ärgerlich, ein durchtrennter in einer tragenden Decke ein Fall für den Statiker.

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