Passivhaus bauen: Das wirklich einzige Baukonzept mit Zukunft

Passivhaus bauen: Das wirklich einzige Baukonzept mit Zukunft

"Energieeffizient. Komfortabel. Wirtschaftlich. Umweltfreundlich. Nachhaltig. Das alles ist der Passivhaus-Standard. Und zwar gleichzeitig."

  • Ist das nicht genau das, was sich eigentlich jeder Bauherr wünscht?
  • Ein hochwertig geplantes und gebautes Gebäude mit höchstem Wohnkomfort.

Ein Haus ohne Heizkosten

Praktisch keine Heizkosten durch beste Wärmedämmungen und ein hocheffizientes Energiemanagement. Lange Lebensdauer und maximaler Werterhalt. Und das Ganze zu Errichtungskosten, die nicht höher sind als beim Bau eines herkömmlich gebauten Einfamilienhauses.

Warum trotzdem noch viel zu wenige Bauherren ein Passivhaus bauen, obwohl es kein zukunftssicheres Baukonzept gibt?

Schwer zu sagen. Möglicherweise liegt das schlicht und einfach an den nicht wirklich "werbewirksamen" Begriffen, die in Zusammenhang mit einem Passivhaus verwendet werden. 

"Passiv" hört sich vielleicht zu negativ an, obwohl das nur bedeutet, dass kein aktives Heizsystem erforderlich ist. Auch "luftdicht" erweckt oft völlig falsche Vorstellungen, obwohl das die einzige Möglichkeit ist, über undichte Bauteile Wärmeverluste zu vermeiden.

Dazu kommt, dass Menschen oft aus Gewohnheit dazu neigen, "sicherheitshalber" lieber doch auf das "Altbewährte" zu setzen als auf etwas Neues. 

Innovation hatte schon immer Gegner unter denjenigen, die unter den alten Konditionen erfolgreich waren, und hat Verfechter unter denjenigen gefunden, die unter den neuen Konditionen erfolgreich sein konnten.

Niccolò Machiavelli (1469 - 1527)
Italienischer Philosoph

Einfach informieren

Erfahren Sie hier, wie ein Passivhaus funktioniert und welche Grundlagen bei der Planung zu beachten sind. Und wenn Sie sich einmal ausgiebig mit dem Thema "Passivhaus bauen" beschäftigt haben, werden Sie sich diese grundsätzliche Frage selbst beantworten können: 

"Kann ich es mir eigentlich leisten,
schlechter als im Passivhaus-Standard zu bauen?"

Video mit Erfahrungsbericht über das älteste  zertifizierte Passivhaus in Österreich

Dieses rund 17 Minuten lange Video über das im Jahr 1999 gebaute Passivhaus ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich über die praktischen Wohn-Erfahrungen in einem der ersten Passivhäuser zu informieren. Damit können Sie hier Ihr theoretischen Passivhaus-Wissen durch einen qualifizierten Erfahrungsbericht ergänzen. 

Passivhaus-Datenbank

Sie möchten sich selbst von der Wohnqualität in Passivhäusern überzeugen?

Dazu gibt es in Deutschland und Österreich auch viele andere bereits errichtete Passivhäuser, die bei Interesse an bestimmten Tagen auch besichtigt werden können. Durchforsten Sei einfach die auch für diesen Zweck ins Leben gerufene  Passivhaus-Datenbank

Was genau ist ein Passivhaus überhaupt?

Ein Passivhaus ist nicht nur ein "Energiesparhaus". Es ist vielmehr ein Gebäudestandard, der Energieeffizienz, Komfort, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit in einem einzigen praxiserprobten Baukonzept vereint.

Das Passivhaus stellt damit ein Gesamtkonzept für höchste thermische Behaglichkeit dar. Dieser Wohnkomfort wird gewährleistet durch mehrere passive Maßnahmen - beispielsweise durch eine hoch gedämmte, luftdichte Gebäudehülle ohne Wärmebrücken oder durch die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage.

Die Bauweise spielt kleine Rolle

In welcher Bauweise Sie ein Passivhaus bauen wollen, spielt keine Rolle, weil der Passivhaus-Standard auf bauphysikalischen Grundregeln beruht, die in jeder beliebigen Bauweise und mit allen möglichen Materialien "funktionieren".

Der Physik ist es völlig egal, ob mit Beton, Ziegeln, Holz, Styropor, Stroh oder womit auch immer gebaut wird. Hauptsache, die Anforderungen an den Passivhaus-Standard werden erfüllt.

Welche Anforderungen muss ein Passivhaus erfüllen?

Vorab eine Klarstellung:

Diese Seite hat nicht den Zweck, Sie mit technischen Details zu bombardieren. Das tun schon andere Webseiten. Hier geht es darum, alles möglichst einfach zu erklären und auch zu verstehen. Daher auch hier die Konzentration auf das Wesentliche: 

Für ein Passivhaus gelten folgende 5 Grundsätze

1. Wärmedämmung:

  • Die undurchsichtigen Bauteile der Außenhülle eines Hauses müssen so gut gedämmt sein, dass sie einen U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) von höchstens 0,15 W/m²K haben.

    Was bedeutet dieser Wert? Pro m² Außenfläche und Grad Temperaturunterschied (in Kelvin oder Grad Celsius) zwischen innen und außen gehen 0,15 Watt (Wärmeleistung) verloren. 

2. Fenster:

  • Der U-Wert der Fenster darf höchstens 0,80 W/m²K betragen, wobei dieser Wert für die Verglasung inklusive des Fensterrahmens gilt. Möglich sind diese Werte durch eine Dreifachverglasung.

3. Wärmebrücken:

  • Alle Bauteil-Anschlüsse, Kanten, Ecken und Durchdringungen müssen sorgfältig geplant und ausgeführt werden, um Wärmebrücken zu vermeiden. Wo sie nicht zu vermeiden sind, müssen die Wärmebrücken zumindest auf ein Minimum reduziert werden.

    Überall dort, wo Wärmebrücken sind, zieht es später im Haus oder es entstehen unangenehme Kaltluft-Bereiche.

4. Luftdichtheit:

  • Das gesamte Gebäude muss luftdicht ausgeführt werden, damit durch undichte Fugen kein unkontrolliertes Einströmen von feuchter Außenluft stattfinden kann. Der Nachweis über die Luftdichtheit ist durch eine Blower-Door-Messung nachzuweisen.

5. Lüftungstechnik:

  • Eine Schlüsselfunktion nimmt beim Passivhaus die kontrollierte Wohnraumlüftung ein. Diese Komfortlüftung mit hochwirksamer Wärmerückgewinnung hat den Zweck, Energie zu sparen: In einem Passivhaus werden 75% der Wärme aus der Abluft über einen geeigneten Wärmeträger wieder der Frischluft zugeführt.

    Vor allem aber sorgt die Lüftungsanlage für eine besonders gute  und hygienisch einwandfreie Raumluft.

Warum ein Passivhaus bauen?

  • Weil die EU ab 2021 für Neubauten nur noch einen Energiestandard vorschreibt, der dem von Passivhäusern entspricht. Das bedeutet, dass nur mehr Gebäude gebaut werden dürfen, die nahezu keine Heizenergie mehr benötigen. Also "nearly zero-energy buildings" bzw. Niedrigstenergiehäuser.

  • Weil Sie erhebliche Energie-, CO2- und Nebenkosteneinsparungen erzielen, wenn Sie ein Passivhaus bauen und zugleich die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen steigern.

  • Weil Sie durch die hochwertige Bauqualität von einem langfristigen Werterhalt Ihrer Immobilie ausgehen können.

  • Weil im Gegensatz zu früheren Jahren die Mehrkosten für ein Passivhaus stark gefallen und daher heute für jeden erschwinglich sind. 

Prioritäten setzen

Passivhäuser können heute unter Umständen sogar weniger kosten als herkömmliche Häuser. Stöhnen Sie trotzdem nicht, wenn der Bau IHRES ökologischen Passivhauses vielleicht bis zu zehn Prozent mehr kostet.

  • Sie werden im Lauf der nächsten 50 Jahre ein Vielfaches sparen. Gut und gerne mehr als 200.000 EUR sogar. Zuallererst werden Sie im wahrsten Sinne des Wortes 80 Prozent weniger Geld verheizen.
  • Den größten Brocken sparen Sie aber bei der Wartung und Instandhaltung sowie bei den Erneuerungsintervallen ein. Schlicht und einfach deshalb, weil sich Qualität langfristig immer bezahlt macht.

Wie viel Heizenergie braucht ein Passivhaus?

Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Neubau verbraucht ein Passivhaus rund 75% weniger Heizenergie. Der Heizölgleichwert beträgt etwa 1,5 Liter pro m²  und Jahr. Konkret:

  • Würden Sie in einem nach Passivhaus-Standard erbauten Haus die Heizenergie, die ein beispielsweise 150 m² großes Passivhaus benötigt, mit (in Zukunft nicht mehr erlaubtem) Heizöl erzeugen, würden Sie pro Jahr 225 Liter Heizöl verbrauchen.

    Bei einem angenommenen Preis von 1 € / Liter Heizöl wären das also Heizkosten von weniger als 19 € / Monat. Kosten, die weit unter einem normalen Niedrigenergiehaus liegen.

Wie ist die enorme Energieeinsparung möglich?

  • Durch besonders energieeffiziente Bauteile.
  • Durch eine ausgereifte Lüftungstechnik.

Die Grundprinzipien lauten also:

  • Wärmeverluste vermeiden und
  • durch bauliche Maßnahmen Wärmegewinne optimieren.

Die wichtigsten Bauteile und Komponenten eines Passivhauses

Wenn Sie ein funktionierendes Passivhaus bauen wollen, müssen neben den speziellen Bauteilen und Komponenten auch verschiedene Rahmenbedingungen eingehalten werden. Hier die auf das Wesentliche reduzierten Informationen:

Kompaktheit und A/V-Verhältnis

Je kompakter Ihr Haus geplant und gebaut wird, desto geringer werden die Wärmeverluste ausfallen. Wie kompakt ein Haus ist, wird durch die Ziffern A und V ausgedrückt - das A/V-Verhältnis (Kompaktheitsgrad).

 A    ist dabei die wärmeübertragende Außenoberfläche.
 V    ist das beheizte Volumen des Hauses.

Die Kompaktheit zusammengefasst:

  • Verzichten Sie möglichst auf Erker, Vorsprünge oder Auskragungen, weil diese die wärmeübertragende Fläche vergrößern und dadurch Wärmeverluste entstehen, die nur mit größeren Dämmstoffdicken ausgeglichen werden können.
  • Kleine Gebäude haben ein ungünstigeres A/V-Verhältnis als größere Häuser.
  • Reihenhäuser oder Mehrfamilienhäuser haben ein A/V-Verhältnis von etwa 0,4 bis 0,7.
  • Bei Einfamilienhäusern beträgt der Kompaktheitsgrad meistens bei 0,8 bis 1,0.

Solare Ausrichtung

Wenn Sie ein Passivhaus bauen, ist die Nutzung der Sonnenenergie eine fest einkalkulierte Größe in der Gesamtwärmebilanz. Solaren Energiegewinnen kommen daher bei der Planung eines Passivhauses große Bedeutung zu.

Konkret bedeutet das für Ihre Planung:

  • Die größten Fensterflächen nach Süden ausrichten.
  • Im Norden Fenster möglichst spärlich einplanen.
  • Aufenthaltsräume wie Wohn- und Kinderzimmer nach Süden ausrichten.
  • Bad, WC, Abstell- oder Technikräume nach Norden ausrichten.
  • Abweichungen um bis zu 30° nach Westen oder Osten sind problemlos realisierbar.

Verschattung

Damit der im Winter gewünschte Wärmeeffekt im Sommer nicht zur Überhitzung des Hauses führt, müssen vor allem die Südfenster über eine außen liegende Verschattungsmöglichkeit verfügen. Also Rollläden, Jalousien oder Fensterläden.

Konkret:

  • Dachüberstände können von Vorteil sein, im Winter muss die Südfassade aber verschattungsfrei sein.
  • Große Nadelbäume oder Nachbargebäude in unmittelbarer Nähe können sich nachteilig auf das Passivhaus auswirken.

Freiheit von Wärmebrücken

Wie schon weiter oben unter den fünf Passivhaus-Grundsätzen angeführt, muss das oberste Ziel beim Passivhaus bauen die weitgehende Vermeidung oder größtmögliche Reduzierung der Wärmeabflüsse sein.

  • Die Schwachstellen bei den wärmegedämmten Bauteilen sind demnach immer Kanten, Ecken, Anschlüsse und Durchdringungen, weil genau in diesen Bereichen immer ein vergrößerter Wärmeabfluss stattfindet.   
  • Wer in Passivhaus bauen möchte, kommt also an der Planung und Ausführung einer wärmebrückenfreien Konstruktion nicht vorbei.

Wenn Sie ein Passivhaus bauen wollen, sollten Sie in Ihrem ureigenen Interesse darauf verzichten, sich von Leuten "beraten" zu lassen, die noch keine Passivhäuser geplant und gebaut haben.

  • Leider gibt es auch heute noch sehr viele Baumeister und Architekten, die noch nicht erkannt haben, dass die Zukunft nur dem Passivhaus gehört.
  • Beauftragen Sie daher unbedingt einen zertifizierten Passivhaus-Planer.

Diese Spezialisten gibt es mittlerweile in ganz Europa und mit großer Wahrscheinlichkeit finden Sie so einen Passivhaus-Planer auch ganz in Ihrer Nähe.

Luftdichtheit

Damit es innerhalb der Konstruktion des Hauses zu keinem unkontrollierten Luftwechsel über Fugen kommt, muss die gesamte Gebäudehülle eines Passivhauses wind- und luftdicht ausgeführt werden.

Durch die luftdichte Bauweise wird eine Lüftungsanlage erforderlich, welche durch die extrem geringe Heizlast ohne zusätzliche Kanäle, Ventilatoren oder größere Querschnitte auch zur Beheizung genutzt wird und damit auch den Wohnkomfort erhöht.

Luftdichtheit im Detail

  • Sorgfältige Planung und Ausführung aller Bauteilübergänge.

  • Überlappende Stöße von Baupapier oder Folien müssen mit  Klebebändern oder Dichtschnüren verschlossen werden.

  • Bei Dachsparren, die an die aufgehende Wand anzubinden sind, ist besondere Sorgfalt bei der Ausführung nötig.

  • Die Luftdichtheit eines Gebäudes wird durch ein Druckverfahren überprüft - genannt wird das Verfahren Blower-Door-Test.

  • Die Luftdichtheit ist beim Massivbau leichter zu erreichen - hier stellt der Innenputz die luftdichte Ebene dar.Schwachpunkte sind Wanddurchdringungen (z.B. Steckdosen), die ebenfalls luftdicht ausgeführt werden müssen.

  • Sämtliche Außenbauteile wie Wände, Dach und unterste Geschoßdecke bzw. Kellerboden müssen ausreichend stark gedämmt sein, um einen U-Wert von 0,15 W/m²K zu erreichen.

  • Je nach Art und Qualität ergeben sich dadurch Dämmstärken zwischen 25 und 40 cm.

Durch die verbesserten Dämmwerte werden nicht nur die Wärmeverluste reduziert, sondern auch die Temperaturen an den Innenoberflächen im Winter höher und im Sommer niedriger.

Da sich die Oberflächentemperaturen kaum von der Raumtemperatur unterscheiden, entsteht ein angenehmes und vor allem gleichmäßiges Raumklima ohne irgendwelche kalte Ecken.

Warum luftdicht bauen?

Die häufigsten Fragen, wenn es darum geht, ein Passivhaus bauen zu wollen, betreffen die Luftdichtheit des Hauses. Immer wieder sind daher genau diese zwei Fragen zu hören:

1. "Muss ein Haus nicht atmen?"

Also grundsätzlich muss in jedem Haus gelüftet werden, weil der Luftaustausch über Ritzen und Fugen nicht zuverlässig ist und daher für eine hygienische Qualität der Raumluft nicht ausreicht. 

  • Bei herkömmlichen Häusern erfolgt das Lüften schlicht und einfach durch das Öffnen der Fenster.

  • In einem Passivhaus übernimmt das "Atmen" - neben der natürlichen Feuchteregulierung durch mineralische Baustoffe - die Komfort-Lüftungsanlage. Diese bringt ausreichend Frischluft in alle Räume und entsorgt gleichzeitig die verbrauchte Luft ins Freie.

2. Darf ich in einem Passivhaus die Fenster öffnen?

Kurz und bündige Antwort: JA, aber Sie müssen nicht. Die Lüftungsanlage transportiert nämlich regelmäßig Feuchtigkeit ab, sorgt ständig für beste Qualität der Innenluft.

In einem Passivhaus haben Sie immer frische Luft, ohne kalte Luftschichten und ohne Zugluft. Und dank der Feinfilter bleiben Pollen und Staub draußen. Ein Segen für Allergiker.

Bei einem herkömmlichen Haus müssen hingegen die Fenster regelmäßig geöffnet werden. Oft auch bei Abwesenheit und in der Nacht. Anders lassen sich Gerüche und Feuchtigkeit nicht abführen. In der Praxis wird allerdings sehr oft nicht richtig gelüftet. Entweder zu lange, zu kurz oder überhaupt nicht.

Fazit:

  • Luftdichtheit schützt Bewohner und das Haus. Durch die undichten Stellen in einem herkömmlichen Haus kann feuchte Luft von innen nach außen strömen, diese Luft kühlt ab und die Feuchtigkeit kann kondensieren - die klassische Ursache für Durchfeuchtung und Schimmel in der Bauteilkonstruktion.

Bodenplatte und Kellerdecke

Der jeweils erdberührte Bauteil muss gedämmt und mit luftdichten Anschlüssen ausgebildet werden. Die Bodenplatte oder Kellerdecke bildet die Systemgrenze zwischen beheiztem und nicht beheiztem Gebäudevolumen.

Wird der Keller beheizt, ist die Bodenplatte die Systemgrenze, wird der Keller nicht beheizt, ist es die Kellerdecke.

  • Um Wärmeverluste über die Bodenplatte zu verhindern, gehört die Dämmung unterhalb der Bodenplatte - die Perimeterdämmung aus druckbelastbaren Dämmplatten - zum energetischen Ausführungs-Standard.

Die U-Werte entsprechen jenen der übrigen Außenhülle. Das sind also auch hier höchstens 0,15 W/m²K.

Außenwand

Die niedrigen U-Werte (max. 0,15 W/m²K)  des Passivhaus-Standards können heute sowohl im modernen Holzbau als auch im Massivhausbau problemlos erreicht werden.   Dazu stehen im Holzbau in jeder Hinsicht ausgeklügelte Holzständerwand-Systeme aus verschiedenen Holzwerkstoffplatten zur Verfügung. Die Dämmstärken betragen hier etwa 32 bis 40 cm.

Berste U-Werte bei Passivhaus-Außenwand

Eindeutig dickere Wandstärken werden im Massivbau benötigt, wobei hier zweischalige (z.B. dünne Tragwände mit vorgesetzter Dämmschale bzw. Wärmedämmverbundsystem) oder einschaligen (hoch wärmegedämmte Steine) Wandaufbauten mit einer Stärke von 50 cm durchaus üblich sind.

  • Die verschiedenen Ziegelhersteller haben jedenfalls schon längst erkannt, dass an hochwärmegedämmten Außenwandziegeln kein Weg vorbeiführt.

  • Immer mehr Bauherren entscheiden sich daher heute für die aus bauphysikalischer und ökologischer Sicht empfehlenswerteste Außenwandlösung - nämlich ein einschaliges, ca. 50 cm dickes Außenmauerwerk aus Hochlochziegeln mit integrierter Dämmfüllung.

U-Werte in der Praxis

Die U-Werte der Außenhülle liegen in der Praxis oft bei 0,10 W/m²K oder sogar noch darunter, obwohl beim Passivhausstandard 0,15 W/m²K zulässig wären.

  • Die zusätzlichen Dämmungen tragen zu einer weiteren Reduzierung der Wärmeverluste bei und sorgen dafür, dass noch mehr Energie und damit auch Geld gespart werden kann. 

Übrigens: Der finanzielle Mehraufwand für zusätzliche Dämmstärken - also für das Erreichen von Dämmwerten unter 0,15 W/m²K - wird durch den wirtschaftlichen Nutzen meistens mehr als abgegolten.

Fenster und Türen

Die wärmetechnisch schwächsten Glieder innerhalb der Gebäudehülle sind generell die Fenster, Terrassentüren und Haustüren. Die hohen Anforderungen des Passivhaus-Standards können nur von speziellen Passivhausfenstern eingehalten werden.

Passivhaus-Fenster
  • Die gasgefüllte Dreifachverglasung muss einen Gesamtenergie-Durchlassgrad von 50 % aufweisen.

  • Die Fenster werden beim Passivhaus mit luftdichtem Anschluss in die Ebene der Dämmschicht eingebaut. 

  • Zusätzliche Dämmungen des Rahmens tragen zu einer weiteren Reduzierung der Wärmeverluste bei.

U-Wert bei Fenstern

Für Fenster gibt es einen eigenen U-Wert - nämlich den Uw-Wert. Das kleine "w" steht dabei für "window". Den Uw-Wert gibt es deshalb, weil ein Fenster im Wesentlichen immer aus einem Rahmen und der Verglasung besteht und diese verschiedenen Komponenten auch unterschiedliche U-Werte haben. 

  • Für Passivhäuser gilt, dass der effektive U-Wert  - also die U-Werte für Rahmen und Verglasung "zusammengerechnet" - nicht größer als 0,8 W/m²K sein darf.
  • Um diesen Gesamtwert zu erreichen, muss der U-Wert der Verglasung noch niedriger sein, was er bei Passivhausfenstern auch ist.
  • Moderne Drei-Scheiben-Verglasungen erreichen heute einen U-Wert von 0,5 W/m²K - einige sogar noch weniger.

Dach

Abhängig von der Bauform nimmt das Dach rund ein Viertel bis ein Drittel der gesamten Gebäudehülle ein. Daher sind hier Konstruktionen mit besonders niedrigen U-Werten von Vorteil.

  • Wie bei den Außenwänden geht die Tendenz der Dämmqualität im Dachbereich eher in Richtung 0,10 W//m²K, obwohl " nur 0,15 gefordert werden. 

Innere Wärmequellen

Ein unverzichtbarer Bestandteil eines Passivhauses sind hocheffiziente Stromspargeräte. Anders als in herkömmlichen Gebäuden macht sich nämlich die Wärmeabgabe von Kühlschrank, Herd, Tiefkühltruhe, Waschmaschine aber auch von Lampen in einem Passivhaus durchaus bemerkbar. Im Winter ist das sogar wünschenswert.

  • Im Sommer ist es jedoch wichtig, die inneren Wärmequellen möglichst gering zu halten.
  • Möglich ist das nur mit effizienten und Energie sparenden Haushaltsgeräten.

Übrigens: Jede Mensch "heizt" mit etwa 80 W, bei einem Einfamilienhaus rechnet man mit insgesamt rund 2,1 W/m² an inneren Wärmequellen.

Lüftung, Wärmeverteilung und Wärmerückgewinnung

Wenn Sie ein Passivhaus bauen, entscheiden Sie sich auch für eine behagliche Komfortlüftung mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung. Das bedeutet, dass aufgrund der luftdichten Gebäudehülle der Luftwechsel nicht mehr durch eine reine Fensterlüftung erfolgt. 

  • Die Komfortlüftung sorgt für eine spürbar bessere Luftqualität.
  • Durch Filter können Allergien gemildert sowie Pollen, Schadstoffe und Staub "ausgesperrt" werden.
  • Das Risiko von Schimmelbildung an Wänden und Decken entfällt, weil anfallende Feuchte laufend abtransportiert wird.
  • Die warme Abluft aus Bad, WC und Küche wird laufend abgesaugt, über den Wärmetauscher (z.B. Erdwärmetauscher) geführt und strömt als gereinigte und erwärmte Frischluft laufend in die Wohnräume, wobei 75 bis 80 % der Abluft-Wärme erhalten bleibt.
  • Überströmöffnungen in den Wänden oder an den Türen garantieren auch bei geschlossenen Türen ungehinderten Luftaustausch.

Kühlung

Aufgrund der hoch gedämmten Gebäudehülle ist bei einer Wohnnutzung des Passivhauses eine aktive Kühlung in der Regel nicht erforderlich, weil alle äußeren Einflüsse soweit abgeschirmt werden, dass im Innenraum stets ein behagliches Raumklima herrscht.

  • Erst bei erheblich steigenden inneren Wärmelasten ist eine zusätzliche Kühlung über entsprechende Kälteanlagen oder Wärmetauscher nötig.

Restwärmebedarf, Heizung und Haustechnik

Trotz der Reduktion der Wärmeverluste auf ein Minimum und der hohen Dichtheit bleibt beim Passivhaus ein geringer Restwärmebedarf. Um diesen Restwärmebedarf zu decken, wird aber keine herkömmliche Heizungsanlage benötigt.

Als Grundheizung dient vielmehr eine Zuluftheizung, welche über die ohnehin vorhandene Lüftungsanlage mit Nachheizregister betrieben wird. Damit kann eine Raumheizlast von etwas 10W/m² abgedeckt werden.

Alle darüber hinausgehenden Raumheizlasten sowie individuelle Steuerungsmöglichkeiten werden am besten durch die Kombination mit einem weiteren Wärmeübertragungskonzept erzielt. Beispiele:

  • Kompakte Wärmepumpe.
  • Ein mit Holzpellets befeuerter Ofen.
  • Gas-Brennwert-Kessel mit zentralem Warmwasserspeicher
Restwärme durch Wärmepumpe

Flammenlose Heizung

Wenn Sie ein Passivhaus bauen wollen, geht es auch darum, in jeder Hinsicht nachhaltig zu bauen. Sie sollten daher auch ein Schritt weiter gehen und auf die Schadstoffemissionen achten. Ihr Ziel sollte daher eine flammenlose Heizung sein, die auch kühlen kann. 

  • Die sinnvollste Lösung ist daher Strom - noch dazu, wenn der Strom von der eigenen Photovoltaikanlage kommt.

Bereitung von Warmwasser

Die grundsätzlich Anforderungen an die Warmwasserbereitung sind bei einem Passivhaus nicht anders als bei herkömmlichen Gebäuden.

Da es bei einem Passivhaus aber kein herkömmliches Heizsystem gibt, muss auf eine alternative Form der Wassererwärmung zurückgegriffen werden.

Zusammenfassung Thema "Passivhaus bauen"

Wenn Sie ein Passivhaus bauen wollen, ist davon auszugehen, dass Sie grundsätzlich nachhaltig bauen wollen. Das bedeutet, dass es auch bei einem Passivhaus nicht nur darum geht, Die Wärme möglichst gut und lange im Haus zu behalten - vielmehr geht es auch darum, wie die Wärme erzeugt wird.

  • Ein heute gebautes Haus sollte daher in jedem Fall den Passivhausstandard als Grundlage haben. Gleichzeitig sollte dabei auch auf die Energiegewinnung und die Schadstoffemissionen geachtet werden. 

Weil auch Holz- und Biomasseheizungen ähnlich große Primärenergieanteile wie Gasheizungen haben, sollte das Ziel daher eine flammenlose Heizung sein. Genau dieses "passiv" bauen liefert die perfekte Grundlage für erneuerbare Energiequellen, wobei in einem Passivhaus der Heizwärmebedarf 15 kW/m²a nicht übersteigen darf.

Was ist aus heutiger Sicht die beste Lösung?

Wenn Sie den Autor dieser Webseite fragen würden, wie er als Baufachmann heute sein eigenes Haus bauen würde, hier die auf den Punkt gebrachte Antwort...

Ich würde ein Passivhaus bauen und in folgende Komponenten investieren:

  • Hochwärmegedämmte, luftdichte Gebäudehülle
  • Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
  • Photovoltaik-Kollektoren mit Pufferspeicher
    > Optimal: Solardach als Ganzdachlösung
  • Luft-Wasser-Wärmepumpe, ausgelegt auf den Warmwasserbedarf
  • Niedertemperatur-Fußboden- und -Wandheizung
    Alternative: Infrarotpaneele an Wänden und Decken
  • Elektrische Flächenheizung im Bad

Wilfried Ritter
Autor und Herausgeber
Haus-Selber-Bauen.com

Übrigens: Mit allen diesen aufgezählten Komponenten ist das Ziel zu erreichen, möglichst wenig Geld für Energie auszugeben. Ob damit ein Passivhaus gebaut wird oder nicht, spielt dabei sogar eine untergeordnete Rolle. Hauptsache, alles wird nach dem Passivhausstandard gebaut.

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