Blower-Door-Messung: Alles, was Bauherren darüber wissen müssen, auf den Punkt gebracht

ERFAHREN Sie hier das Wichtigste über die Überprüfung der Luftdichtheit eines Einfamilienhauses: Warum die gesetzlichen Vorgaben und Durchführungs-Richtlinien ziemlich realitätsfern sind, wie eine Blower-Door-Messung ganz leicht manipuliert werden kann, wie eine typische Luftdichtheitsmessung normalerweise abläuft, wie lang eine einzelne Messung dauert und wie viel alles höchstens kosten darf.

Blower-Door-Messung

Dass Energiesparhäuser luftdicht gebaut werden müssen, um die Wärmeverluste möglichst gering zu halten, sollte im modernen Hausbau jedenfalls keine Neuigkeit mehr sein. Auf dem Weg zum eigenen Einfamilienhaus wird daher früher oder später jeder Bauherr - so wie das gerade bei Ihnen der Fall ist - auch auf den Begriff Blower-Door-Messung stoßen.

Die meisten Bauherren haben diesen Begriff zwar zumindest schon einmal gehört -  genauso viele machen sich aber gerade in der Anfangsphase des geplanten Hausbau-Projektes noch keine allzu großen Gedanken über diese Messmethode, weil viele Bauherren oft noch gar nicht wissen, ob sie überhaupt luftdicht bauen sollen oder ob das alles nicht doch nur eine riesengroße "Übertreibung" ist.

Dass die Luftdichtheit bei Wohngebäuden keine Frage des Wollens ist, sondern ein Muss, das schon längst europaweit im Rahmen der diversen Wärmeschutz- und Energieeinsparverordnungen gesetzlich verankert ist, sei an dieser Stelle übrigens nur am Rande angemerkt.

Jedenfalls liegt in der Phase der Hausbauplanung, wo es um "wichtigere" Sachen geht, die Prüfung der Dichtheit des Gebäudes in den Augen vieler Bauherren einfach noch in weiter Ferne und ist daher oft auch (noch) kein Thema.

Außerdem ist in der gängigen Praxis sowohl bei den Planern als auch bei den zukünftigen Hausbesitzern nicht selten festzustellen, dass die Wichtigkeit der Messung der Luftdurchlässigkeit des gebauten Hauses sehr gerne als eher gering eingestuft wird, weil es ohnehin "nur um ein Attest" geht, das halt der Förderbank oder der Baubehörde vorgelegt werden muss.

Aber geht es bei der Überprüfung der Luftdichtheit tatsächlich "nur um ein Papier" oder steckt vielleicht doch mehr dahinter?

Hier die Antworten auf grundsätzliche Fragen und auf den Punkt gebrachte Informationen über die nicht nur erforderliche, sondern vor allem höchst sinnvolle Blower-Door-Messung.


Blower-Door-Messung im Schnelldurchgang auf  auf den Punkt gebracht

Über das Thema Luftdichtheit von Gebäuden gibt es im Internet viele ausgezeichnete Informationsquellen, wo alles mehr oder weniger wissenschaftlich abgehandelt, erklärt und beurteilt wird. Das alles ist hier NICHT der Fall - zumindest nicht in diesem ausführlichen Umfang.

Hier wurden lediglich alle diese Informationen kompakt zusammengefasst und in Kurzform so erklärt, dass Sie im "Schnelldurchgang" das Wichtigste über die Blower-Door-Messung in Erfahrung bringen können.

Blower-Door-MessungQuelle: Wikipedia / Lutz Weidner
  • BlowerDoor (zusammengeschrieben) ist eine geschützte Marke.

  • Blower-Door-Messungen dürfen nur dann unter diesem Namen angeboten werden, wenn für die Luftdichtheitsmessung Original BlowerDoor-Messsysteme der BlowerDoor GmbH verwendet werden.

  • Egal, ob von Blower-Door-Test, BlowerDoor Messung oder überhaupt nur von Blower-Door die Rede ist - gemeint ist damit immer die Messung der Luftdichtheit eines Gebäudes mit dem Differenzdruck-Messverfahren.
  • Die Luftdichtheit eines Gebäudes ist beim heutigen, modernen Hausbau das wichtigste Qualitätskriterium.

  • Durch die dichte Gebäudehülle wird der Energieverbrauch gesenkt.
  • Eine dichte Bauweise verhindert Zugerscheinungen.
  • Durch die Dichtheit des Gebäudes werden Bauschäden vermieden.

  • Ein dichtes Gebäude ermöglicht die kontrollierte und exakt auf die Verhältnisse abgestimmte Belüftung des Hauses. Daher auch der Begriff "Kontrollierte Wohnraumlüftung". Und weil kontrollierte Wohnraumlüftungen für Behaglichkeit und Wohnkomfort sorgen, werden dieses Lüftungssysteme auch Komfortlüftung genannt.
  • Viele Mängel sind schon vor der Blower-Door-Messung mit freiem Auge erkennbar. Undicht ist die Gebäudehülle beispielsweise dann, wenn die Fensteranschlussfugen undicht sind oder wenn es aus den Steckdosen zieht.
Nicht luftdichte Steckdosen
  • Im Bereich der Außenwände muss der Innenputz bis zur Rohdecke reichen.

  • Zwischen Verputz und Betonestrich darf keine Öffnung oder Lücke sein.

  • Die Fensterlaibungen müssen glatt verputz sein, damit beim Fenstereinbau innenseitig der Klebestreifen ordentlich aufgebracht werden kann.

  • Vor dem Einbau der Fensterbänke müssen die Ziegelkammern mit einem glatt gestrichenen Mörtelbett sorgfältig verschlossen werden.

  • Die Elektrodosen müssen dicht ausgeführt werden. Entweder luftdichte Einbaudosen verwenden oder die Standarddosen vollständig dicht eingipsen.

  • Alle Deckendurchbrüche müssen jedenfalls geschlossen sein.

  • Im Bereich der Dachschrägen sollte die Endverkleidung (Gipskarton oder Holzschalung) noch nicht montiert sein, damit bei Bedarf eventuell nötige Ausbesserungen an der luftdichten Ebene einfach durchgeführt werden können.

  • Die Messung muss vor dem Innenausbau durchgeführt werden. Später lassen sich - wenn überhaupt - Mängel nur mit sehr großem Aufwand beheben.

  • Die Messung der Dichtheit erfolgt mit einem Druckmessgerät (der BlowerDoor GmbH). Dabei werden sämtliche Gebäudeöffnungen dicht verschlossen.

  • Durch das Gebläse wird im Haus wahlweise ein Unterdruck oder Überdruck von 50 Pascal erzeugt. An undichten Stellen strömt Luft nach, dadurch können die Leckstellen gefunden und markiert werden.

  • Nach dem Abdichten der undichten Stellen wird die Blower-Door-Messung wiederholt. Über die Dichtheit des Gebäudes muss ein Prüfbericht nach Norm ausgestellt werden.

  • Beim Blower-Door-Test wird gleichzeitig die Luftwechselrate bestimmt - dieser Wert gibt an, wie oft die gesamte Luft im Gebäude je Stunde ausgetauscht wird.

  • Abhängig von den jeweiligen länderspezifischen Energieeinsparverordnungen und Förderungen ist der Wert der Luftwechselrate jeweils genau vorgegeben.

  • Blower-Door- Messungen können nicht nur bei einem Neubau, sondern bei allen bestehenden Gebäuden durchgeführt werden.

Wenn "Experten" Gesetze unters Volk bringen

Wie bei vielen anderen auf europäischer Ebene erlassenen Verordnungen, Richtlinien und Gesetzen, die in verschiedenen Ländern eigentlich den selben Zweck erfüllen sollen, hat man sich auch bei der Europanorm EN 13829 mit dem Titel Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden - Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden / Differenzdruckverfahren nicht auf eine einheitliche Regelung einigen können.

Europanorm EN 13829

Die Norm an sich ist dabei nicht das Problem - im Gegenteil: Um bei Gebäuden eine relativ luftdichte Außenhülle zu schaffen, sind schlicht und einfach entsprechende Vorgaben sowohl an die Planer als auch an die ausführenden Firmen erforderlich. Noch dazu, wenn es um einen tatsächlichen Mehrwert für die Menschen geht - nämlich um die optimale Wohnbehaglichkeit.

Dabei ist diese Wohnbehaglichkeit nachweislich nur dann zu erreichen, wenn ein Gebäude luftdicht gebaut wird - salopp gesagt, wenn es "nicht zieht". In der Praxis bedeutet das also, dass die Luftdichtheit  mit geeigneten Mitteln gemessen werden muss, um den Nachweis der Luftdichtheit zu erbringen.

Und hier kommt nun wieder die eingangs zitierte Europanorm EN 13829 ins Spiel: Diese Norm baut auf den bestehenden einschlägigen Länder-Normen zum Thema Luftdichtheit auf und legt damit im Wesentlichen fest, WIE eine Luftdichtheitsmessung im Detail durchzuführen ist.

Das Problem

Für die Luftdichtheitsprüfung, also für die Durchführung der Blower-Door-Messung, stehen zwei Messverfahren zur Auswahl.

  • Verfahren A: Die Prüfung des Gebäudes im (fertigen)  Nutzungszustand

  • Verfahren B: Prüfung der Gebäudehülle (z.B. auch während der Bauzeit)

Bei näherer Betrachtung dieser "Wahlmöglichkeiten" wird schnell erkennbar, dass beide Verfahren im Grunde genommen zwar gut gemeint sind, tatsächlich aber eher realitätsfern sind und am tatsächlichen Zweck vorbeigehen. Gemeint ist damit das mögliche Verfahren B, bei dem nur die Gebäudehülle überprüft wird.

In der Praxis kommt es nämlich immer wieder vor, dass notwendige Öffnungen am Gebäude für den Blower-Door-Test vorübergehend abgedichtet werden, um zum Zeitpunkt der Prüfung ein gutes Messergebnis zu erzielen. Nicht selten werden die provisorischen Abdichtungen dann aber nach der durchgeführten Blower-Door-Messung wieder entfernt...

Aber warum wird das gemacht? Weil in den gesetzlichen Regelungen ein Unterschied gemacht wird, ob der Nachweis der Luftdichtheit mit der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) im Einklang steht oder mit den jeweils entsprechenden Normen über die Luftdichtheit von Gebäuden.

Auf den Punkt gebracht:
Im Wesentlichen scheint es den Erfindern dieser Verordnung über die Luftdichtheits-Messmethode nur um die Messung selbst zu gehen, nicht aber über die Sinnhaftigkeit - und das wiederum ist in den Augen des Autors dieser Website einfach sinnlos.

Das Ergebnis dieser Wahlfreiheit der europaweit gültigen Messverfahren-Norm ist jedenfalls, dass Blower-Door-Messungen in Deutschland nach Verfahren B durchgeführt werden, in Österreich hingegen grundsätzlich nach Verfahren A.

Nicht das Attest ist wichtig, sondern die Luftdichtheit IHRES Hauses

Jeder verantwortungsbewusste Bauherr sollte sich immer darüber im Klaren sein, dass es bei der Blower-Door-Messung nicht (nur) darum geht, die Förderbank zufrieden zu stellen, die Baubehörde, den Gesetzgeber oder wen auch immer. Vielmehr liefert IHNEN der von wem auch immer erbrachte Nachweis der Luftdichtheit Ihres Traumhauses  die Gewissheit, dass Sie in Zukunft von vielen Vorteilen profitieren werden.

Attest Blower-Door-Messung

Vorteile einer luftdichten Gebäudehülle

  • Schäden an der Baukonstruktion werden vermieden. Wenn undichte Bauteile von innen nach außen mit feuchter Luft durchströmt werden, kann der Wasserdampf aufgrund der Abkühlung kondensieren. Diese Baufeuchte ist der ideale Nährboden für Schimmel - die Folge sind Bauschäden.
  • Die Funktion der Wärmedämmung bleibt erhalten. Werden Dämmschichten durch undichte Stellen durchströmt, wird hingegen die Wärmedämmfähigkeit der Baukonstruktion deutlich herabgesetzt.
  • Optimaler Luftschallschutz. Tatsache ist, dass jede Undichtheit den Luftschallschutz verschlechtert - am besten erkennbar am größeren Lärm bei (auch nur minimal) geöffneten Fenstern. Bestandteil jedes Schallschutzkonzeptes ist daher vor allem die Luftdichtheit.
  • Die Lüftung wird optimiert. Bei Undichtheiten erfolgt der durch die Thermik und den Winddruck verursachte Luftaustausch - und zwar abhängig vom Wetter. Anders gesagt: Bei starkem Wind und bei kalten Wetterphasen zieht es im Haus.
  • Hoher Wohnkomfort und Behaglichkeit. Strömt Kaltluft durch undichte Baukonstruktionen ins Innere, zieht es nicht nur merklich - es bilden sich auch Kaltluftseen, weil die kalte Luft zu Boden fällt. Die Folge sind kalte Böden und Füße.
  • Geringer Heizenergieverbrauch. Durch die (bei Weitem nicht vollständig) genannten Vorteile der Luftdichtheit kommt es vor allem zu deutlichen Energie- und damit auch Kosteneinsparungen.

Die Wichtigkeit der Luftdichtheit Ihres zukünftigen Eigenheimes sollten Sie sich daher so früh wie möglich ins Bewusstsein rufen - spätestens dann, wenn die ersten Kontakte mit den ausführenden Firmen und Handwerkern hergestellt werden.

  • Vergessen Sie jedenfalls nie, dass es bei der Messung der Luftdichtheit Ihres Hauses nicht nur um den Erhalt des positiven Prüfprotokolls, sondern um Ihre langfristige Wohnbehaglichkeit geht.

 ACHTUNG!  Obwohl das luftdichte Bauen heute praktisch den Stand der Technik darstellt, sind viele ausführende Firmen teilweise immer noch weit von der praktischen Umsetzung entfernt.

  • Es gibt immer noch Elektriker, die normale Dosen anbieten, obwohl es längst luftdichte Ausführungen gibt.
  • Es gibt immer noch Fenstermonteure, die Ihnen einreden wollen, dass ein herkömmliches Ausschäumen der Fensterfugen ausreichend ist, obwohl das definitiv nicht der Fall ist.
  • Es gibt immer noch Firmen, die bisher übliche Dachflächenfenster anbieten, obwohl es längst auch zertifizierte Dachfenster für Passiv- und andere Energiesparhäuser gibt.

 FAZIT: 

  1. Erinnern Sie sicherheitshalber bei jeder Gelegenheit immer alle ausführenden Firmen und Handwerker Firmen an die unbedingt geforderte Luftdichtheit. Die schriftlichen Hinweise im Leistungsverzeichnis alleine sollten zwar auch genügen - doppelt hält aber besser und kostet in diesem Fall nichts.

  2. Lassen Sie sich - aus welchen Gründen auch immer - bei der Durchführung der Blower-Door-Messung nicht auf "geschönte" Messergebnisse ein. In Ihrem eigenen Interesse muss Ihr Haus vielmehr ohne Wenn und Aber ein tatsächlich luftdichtes Haus sein.

Kann eine Blower-Door-Messung eigentlich manipuliert werden?

Wer auch immer bei Ihrem Haus die Blower-Door-Messung durchführen wird - die Messungen entsprechend der einschlägigen Energieeinsparverordnungen setzen lediglich voraus, dass die Europanorm EN 13829 eingehalten wird. Für die praktische Durchführung des Blower-Door-Tests selbst muss allerdings keine gesonderte Qualifikation nachgewiesen werden.

Manipulation bei Blower-Door-Messung

Nicht nur für Planer und Gutachter, sondern auch für Bauherren stellt sich damit auch die durchaus berechtigte Frage, wie man eigentlich erkennen kann, ob das Differenzdruckverfahren richtig durchgeführt oder aber manipuliert wurde. Schon alleine aus dieser Fragestellung kann abgeleitet werden, dass Manipulationen durchaus möglich sind - und in der Praxis auch gar nicht so selten vorkommen. Warum?

  • Weil bei Nichteinhaltung des n50-Grenzwertes - das ist die Luftwechselrate bezogen auf das Rauminnenvolumen, gemessen in Pascal (Pa) - der Verlust von Zuschüssen bzw. Fördermitteln droht.
  • Weil durch den drohenden finanziellen Verlust bei Nichteinhaltung des Grenzwertes ein Druck auf die am Messverfahren Beteiligten lastet und damit auch der Wille nach "Gefälligkeiten" steigt.
  • Weil eine aufgrund von entdeckten Leckagen mehrmals durchzuführende Blower-Door-Messung naturgemäß auch Mehrkosten verursacht, was die Messdienstleister dem Auftraggeber wiederum möglichst ersparen wollen.
  • Weil aufgrund von einzuhaltenden Fristen und dichten Bauzeitplänen nicht selten auch bei ungeeigneten Wetterverhältnissen (z.B. bei starkem Wind) Messungen durchgeführt werden, obwohl diese eigentlich gar nicht machbar sind. Weil also nur gemessen wird, um "ein (geschöntes) Protokoll" zu bekommen.

Welche Möglichkeiten der Manipulation gibt es überhaupt?

Zuallererst: Dieser Artikel hat nicht den Zweck, eine Anleitung für mögliche Manipulationen bei der Blower-Door-Messung zu sein. Es geht hier vielmehr lediglich darum, das Bewusstsein der privaten Bauherren zu schärfen - und das wiederum funktioniert nur, wenn der Bauherr gut informiert ist. Anders ausgedrückt:

Fehler können nur vermieden werden, wenn man weiß, wo diese auftreten können.

Bei der Blower-Door-Messung gibt es jedenfalls mehrere hier bewusst nicht im Detail beschriebene Möglichkeiten, die Messergebnisse zu beeinflussen. Während des Messablaufs können beispielsweise bestimmte Messreihen ausgelassen werden oder das Gebäude wird so präpariert, dass die Ergebnisse verfälscht werden - beispielsweise durch das unzulässige Zukleben der Steckdosen.

Die leichteste Manipulationsmöglichkeit ist allerdings die Änderung des Gebäudevolumens. Da sich die Luftwechselrate (n50-Wert) aus dem geförderten Luftvolumen dividiert durch das Rauminnenvolumen errechnet, kann ein besserer Wert erreicht werden, wenn das Raumvolumen vergrößert und damit falsch angegeben wird.
  • Alle diese Manipulationsmöglichkeiten haben eines gemeinsam - sie sind absolut unnötig und sinnlos, weil sich der Bauherr damit nur selbst betrügt.

  HSB-EMPFEHLUNGEN 

Machen Sei sich keine Gedanken darüber, wie eine Blower-Door-Messung manipuliert werden kann, nur um kurzfristige Vorteile daraus zu ziehen. Nutzen Sie vielmehr alle Möglichkeiten, um ein tatsächlich luftdichtes Haus zu bauen. Die besten Möglichkeiten, um dieses Ziel zu erreichen:

1. Baubegleitende Blower-Door-Messungen

Lassen Sie die Blower-Door-Messungen nicht nur einmal durchführen, sondern baubegleitend, wenn noch alle luftdichten Schichten frei zugänglich sind und somit bei entdeckten Undichtheiten auch noch einfach nachgebessert werden können.

  • Die erste Messung ist sinnvoll, wenn die Fenster luftdicht eingebaut sind und der Innenputz sowie allfällige Trockenputzverkleidungen im Bereich der Dachschrägen ausgeführt wurden.
  • Bei eventuellen Undichtheiten nach der Behebung der Leckagen sollte erneut eine Dichtheitsprüfung durchgeführt werden.
  • Die wichtigste Blower-Door-Messung ist immer im endgültigen Nutzungszustand durchzuführen - dann also, wenn das Haus bezugsfertig ist.

2. Entscheiden Sie sich für den Passivhaus-Standard

Egal, welche Einstellung Sie persönlich heute vertreten, wenn es um die verschiedenen Energie-Standards geht - das Passivhaus ist das einzige Baukonzept, das wirklich Zukunft hat.

Sich für ein Passivhaus zu entscheiden, sollte nichts mit der Höhe von allfälligen Fördergrenzen und Fördergeldern, die mit einem Passivhaus ohnehin alle erreicht werden, zu tun haben. Wer sich für den Passivhaus-Standard entscheidet, entscheidet sich vielmehr für einen All-Inclusive-Gebäudestandard und die eigene Zukunft:

  • Behaglichkeit
  • Frische Luft
  • Bautenschutz
  • Flexibilität
  • Nachhaltigkeit
  • Zukunftsoffenheit
Passivhaus-SchemaQuelle: Passivhaus Institut / passiv.de

Wie läuft eine Luftdurchlässigkeitsmessung ab?

Normalerweise kümmert sich Ihr professioneller Bauabwickler bzw. Baubegleiter um die Organisation der nötigen Blower-Door-Messungen. Die Luftdichtheitsmessung kann aber natürlich auch von privaten Bauherren selbst beauftragt werden. In beiden Fällen sollten vor der Auftragserteilung aber immer zuerst einmal Angebote von passenden Messdienstleistern eingeholt werden.

Damit Sie wissen, worauf es bei der Blower-Door-Messung ankommt, hier der typische Ablauf einer Luftdurchlässigkeitsmessung in komprimierter Kurzform:

  • 1. Messzweck klären. Der Messdienstleister muss wissen, ob die Luftdichtheitsmessung zur baubegleitenden Qualitätssicherung durchgeführt werden soll oder ob es um den Nachweis entsprechend der für Ihr Bauvorhaben gültigen Energieeinsparverordnung geht.
  • 2. Gebäudebesichtigung und Feststellung der Messfähigkeit. Bei einer gemeinsamen Baustellenbegehung wird überprüft, ob die luftdichte Ebene der Gebäudehülle eingebaut ist (z.B. Innenverputz, Dampfbremsen, Fenster). Gleichzeitig werden damit auch die Grundlagen für das Angebot erhoben.
  • 3. Einbau der Messeinrichtung. Normalerweise wird das BlowerDoor-Messgerät im Erdgeschoss eingebaut. Bei der ersten baubegleitenden Messung  kann der Einbau auch in der Haustüröffnung erfolgen. Bei der letzten Messung sollte allerdings NICHT die Haustür, sondern ein Fenster oder eine Terrassentür als Einbauort für die Messgeräte gewählt werden, weil sonst eventuell (häufig) vorhandene Undichtheiten in der Haustüröffnung nicht mitgemessen werden können.
Einbau BlowerDoor-MessgerätQuelle: Wikipedia
  • 4. Vorbereitung des Gebäudes. Schließen aller Fenster. Öffnen aller Innentüren. Schließen aller Öffnung entsprechend dem vereinbarten Prüfverfahren A oder B
  • 5. Ortung von Undichtheiten und Messung Leckagestrom. Nachdem im Gebäude ein konstanter Unterdruck von etwa 50 Pa aufgebaut wurde, wird die Gebäudehülle von der Raumseite her auf Leckagen untersucht, wobei große Undichtheiten mit der Hand gefühlt werden können.

    Zur Sichtbarmachung der Undichtheiten werden aber Hilfsmittel wie Thermografie, Nebel oder Thermoanemometer eingesetzt. Geortete Undichtheiten werden bei einer Gebäudedruckdifferenz von 50 Pa in zwei Messreihen aufgenommen - eine bei Unterdruck und eine bei Überdruck.
  • 6. Erstellen des Prüfberichts. Je nach Aufgabenstellung und Zweck des Messverfahrens werden die Luftwechselrate sowie die Luftdurchlässigkeit rechnerisch ermittelt und in einem normgerecht erstellten Prüfbericht dokumentiert.

Bei der Durchführung der Luftdichtheitsmessungen im Rahmen  einer baubegleitenden Qualitätskontrolle wiederholt sich der geschilderte Vorgang bei jeder einzelnen Blower-Door-Messung.  

Was sind typische Undichtigkeiten bzw. Leckagen?

Undichtheiten in der Gebäudehülle treten häufig bei Durchdringungen und Bauteilanschlüssen auf, wobei sich spätere, mitunter sehr teure Nachbesserungen in den meisten Fällen durch eine detaillierte Planung der kritischen Bereiche vermeiden lassen.

Hier die wichtigsten Bereiche, wo gerne Leckagen auftreten:

  • Bei Stößen und Verbindungen von Bauteilen.
  • Bei Durchführungen von Rohren oder Kabeln durch die Luftdichtheitsschicht.
  • Bei Bodenschwellen (z.B. Haus- und Terrassentür) oder anderen Anschlüssen zum Boden (z.B. wenn Innenputz nicht bis zur Rohdecke geführt wird).
  • Bei den Bauteilanschlussfugen (z.B. bei Fenstern).
  • Bei Gauben oder Dachflächenfenstern.
  • Bei Dachbodeneinstiegsluken.

Diese Bereiche stellen nur einen Auszug häufiger Fehlerquellen dar, in der Praxis kann es aber überall, wo nicht fachgerecht gearbeitet wurde, zu Undichtheiten kommen. Am schnellsten zu erkennen sind die Fehlerquellen übrigens durch die Infrarothermografie - dabei werden mit einer Wärmebildkamera die Oberflächentemperaturen von Objekten in Bilder "umgewandelt und in auffälligen (Falsch-)Farben angezeigt.

InfrarothermografieQuelle: Wikipedia / bauthermografie-luftdichtheit.de

Dauer und Kosten einer Blower-Door-Messung?

Wie lange die Luftdichtheitsmessung bei einem Einfamilienhaus dauert, hängt vom beauftragen Zweck der Messung ab. Es kommt also darauf an, welche Leistungen ausgeführt werden sollen und wie alles dokumentiert werden muss. Der größte zeitliche Aufwand betrifft normalerweise das Vorbereiten des Gebäudes. Darüber hinaus ist auch der Umfang der Lecksuche ein maßgeblicher Faktor.

Dauer und Kosten einer Blower-Door-Messung

Der tatsächliche Zeitaufwand sowie die Kosten für die Durchführung einer Blower-Door-Messung bei Ihrem individuellen Bauvorhaben können daher nur über eine qualifizierte Preisanfrage in Erfahrung gebracht werden, wobei die Durchführung einer Blower-Door-Messung von sehr vielen Messdienstleistern angeboten wird. Ein Preisvergleich ist daher alleine schon aus diesem Grund sehr empfehlenswert.

Unabhängig von den tatsächlichen Kosten für die Durchführung eines Differenzdruck-Messverfahrens gibt es aber durchaus realistische Erfahrungswerte, die als Vergleichswerte für Ihr eigenes Bauvorhaben herangezogen werden können:

  • Eine einzelne Messung ohne ausführliche Leckortung und ohne Vorbereitung des Gebäudes (z.B. bei baubegleitender Qualitätskontrolle) dauert rund 2 Stunden, insgesamt kann in diesem Fall von Kosten zwischen 300 und 400 EUR ausgegangen werden.
  • Wird bei einem Einfamilienhaus ein kompletter Drucktest mit Leckortung durchgeführt, dauert das in der Regel mindestens einen halben Tag, die Kosten liegen dann bei etwas 600 EUR.

  ACHTUNG!  Dies Angaben sind nur Richtwerte und die angegebenen Kosten beziehen sich immer nur auf eine einzelne Messung. Sind mehrere Messungen erforderlich, was in der Praxis meistens der Fall ist, betragen die Kosten naturgemäß ein Vielfaches.

  • Bei einer sinnvollen baubegleitenden Qualitätskontrolle sollte mit mindestens zwei Blower-Door-Messungen gerechnet werden.

GUT ZU WISSEN: Wenn die Durchführung der erforderlichen Blower-Door-Messungen Teil der Bauausschreibung bzw. der Vertragsbedingungen für die Herstellung des gesamten Einfamilienhauses sind, werden die Kosten für die Luftdichtheitsmessung kaum Auswirkungen auf die Gesamtbaukosten haben.

Diese Messdienstleistungen liegen dann nämlich m Verantwortungsbereich des GU-Unternehmens und werden von diesem entweder sehr günstig eingekauft oder vielleicht sogar selbst durchgeführt.

  FAZIT: 

Normalerweise sollten sich Bauherren also gar nicht um die erforderlichen Blower-Door-Messungen kümmern müssen.

WENN Sie als privater Bauherr dafür sorgen, dass Ihr Bauvorhaben durch qualifizierte Baufachleute professionell abgewickelt wird, liegt dieser wichtige Punkt "Nachweis der absoluten Luftdichtheit" ausschließlich im Einfluss- und Verantwortungsbereich jener Fachleute, die auch im Hinblick auf das Organisieren der nötigen Messprotokolle Spezialisten sind.



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